Im nordwestlichen Teil der Union sind Binnenseeablagerungen bekannt, welche die erstaunliche Mächtigkeit von 10000 Fuß erreichen und stellenweise einen ungeheuren Reichtum an seltsamen Säugetierresten bergen. Besonders berühmt sind die Mauvaises Terres (schlechte Erde), sprich mowäs tär, ein Wüstengebiet in Wyoming, wo Auswaschung und Abtragung durch Wasser aus den Tertiärschichten die abenteuerlichsten Formen, Klippen, Obelisken, Säulen, Burgruinen und dergleichen herausmodelliert haben, so daß man glaubt, die Ruinen einer großen Festung vor sich zu sehen. Dem Bericht einiger amerikanischer Geologen entnehme ich folgendes:

„Diese Region ist von der eigentümlichsten geologischen Beschaffenheit, die wohl nirgends auf Erden ihresgleichen hat. Die Karawane zog gegen Südwesten in den zwei ersten Tagen über einförmige, leicht gewellte Ebenen, deren Boden mit Salpeter geschwängert war. So weit das Auge reichte, sah man keinen Baum oder Busch, wohl aber manchen blühenden Kaktus und in den Niederungen sogenannte Milchpflanzen. Da und dort traf man eine Kolonie von Präriehamstern, sonst kein lebendes Wesen in dieser wasserarmen Gegend. Am sechsten Tage kamen die Mauvaises Terres in Sicht, die einen wahrhaft überraschenden, unbegreiflichen Anblick bieten. Im Hintergrund einer weit ausgedehnten Ebene fielen die Strahlen der Abendsonne auf eine gewaltige Trümmerstadt, die eben mit rosenfarbigem Lichte übergossen war. In ihr erhoben sich Mauern und Bastionen, große Paläste mit mächtigen Kuppeln und andere Bauten von wunderbaren, seltsamen Gestalten. Das Ganze machte einen überwältigenden Eindruck, als über alle Maßen phantastisch. In Abständen von verschiedener Entfernung erhoben sich über dem schneeweißen Boden backsteinrötliche Burgen mit Zinnen und Pyramiden, auf deren Spitzen die mächtigsten Blöcke lagen, die scheinbar vom Winde hin und her geschaukelt wurden. Mitten in diesem Chaos geologischer Ruinen erhebt sich, einem Leuchtturm vergleichbar, eine bei 300 Fuß hohe Felsensäule. Der Indianer nennt es die verwünschte Stadt, darin namentlich auch ein großes Amphitheater auffällt, mit ockerfarbigen, ausgezackten Mauern umgeben. Der Boden besteht vielfach aus einer dicken Lage fossiler Knochen, von denen manche aufs vortrefflichste erhalten sind, und an vielen Orten lag eine ganze Beinstätte von Zähnen, zerbrochenen Kinnladen, Knochen und Wirbeln in Ton oder fleischfarbigen Mergel eingebettet.“

Von der überaus individuen- und artenreichen Tierwelt mögen nur zwei Formen Erwähnung finden, das Koryphodon und das Dinozeras, von welchen ersteres auch in Europa vorkommt, letzteres aber auf Amerika beschränkt ist. Das Koryphodon (der Name stammt von der Beschaffenheit der Unterkieferzähne, koryphe heißt die Spitze) vereinigt die Merkmale der verschiedenen Huftiere und wurde deshalb von einigen als Stammvater derselben oder doch wenigstens als derjenige der Elefanten betrachtet. Beides ist unmöglich, denn jene Ausgangs- oder Urformen müssen schon in der Kreide gelebt haben. Wahrscheinlich bilden sie einen Seitenzweig jener noch unbekannten Stammformen. Im höchsten Grade auffallend ist der im Verhältnis zu heutigen Säugern geringe Inhalt der Schädelkapsel. Der amerikanische Paläontologe Cope schildert das Tier folgendermaßen:

„Nach dem Skelett glich Koryphodon in der allgemeinen Erscheinung wahrscheinlich einem Bären mehr als irgendeinem anderen lebenden Tiere, nur mit dem Unterschied, daß seine Füße ganz wie die eines Elefanten waren, und zu den Körperverhältnissen eines Bären müssen wir noch einen Schweif von mittlerer Länge fügen. Ob sie behaart waren, wissen wir nicht, denn von ihren Verwandten, den Elefanten, sind einige behaart (Mammut), andere nackt. Der Scheitel war ohne Zweifel kahl und mag bei alten Tieren nur mit einer dünnen Oberhaut wie bei Krokodilen bedeckt gewesen sein, so daß sie dem Feinde eine rauhe, undurchdringliche Stirne entgegenstellen konnten. In seinen Bewegungen glich Koryphodon ohne Zweifel dem Elefanten mit seinem schwankenden Paßgange. Als Ersatz für den Mangel an Geschwindigkeit kann die furchtbare Bewaffnung mit mächtig vorspringenden Eckzähnen gelten, welche namentlich im Oberkiefer stärker und länger waren als bei Raubtieren. Die Größe der einzelnen Arten schwankt zwischen derjenigen eines Ochsen und der eines Tapirs. Die Hauptnahrung von Koryphodon war vermutlich vorwiegend pflanzlicher Natur, aber ohne strenge Beschränkung auf ein bestimmtes Futter; ohne Zweifel waren sie, wie die jetzigen Schweine, bis zu einem bedeutenden Grade Allesfresser.“

Die Koryphodonten scheinen nur dem unteren Eozän anzugehören und schon im Anfang der Tertiärzeit ausgestorben zu sein, jedoch nicht, ohne würdige Nachkommen hinterlassen zu haben. Ihnen folgten nämlich die Dinozeraten oder Schreckhörner (von deinos oder dinos: schrecklich und keras: Horn), gewaltige, plumpe Kolosse, die im Fußbau mit den Koryphodonten übereinstimmen und deren äußere Erscheinung zwischen Elefant und Nashorn ungefähr die Mitte hielt. Nach dem einstimmigen Urteil der Gelehrten gehören dieselben zu den absonderlichsten Typen, die je gelebt haben. Ihre Reste kommen nur in den Mauvaises Terres vor, dort aber in solcher Menge, daß der Amerikaner Marsh allein über 200 Exemplare in seiner Sammlung zusammenbrachte. Der am seltsamsten geformte Körperteil beim Dinozeras ist der Schädel, ein Monstrum, „das unter allen Tieren seinesgleichen nicht findet“. Der Unterkiefer trägt einen breiten, abwärts gerichteten Fortsatz des Knochens, der fast wie eine Axt aussieht. Im Oberkiefer fehlen die Schneidezähne, dafür sind aber die Eckzähne zu gewaltigen Hauern vergrößert, welche wie beim Walroß weit nach unten ragen. Auf der Oberseite des Schädels sitzen drei Paar Knochenwülste, die von vorn nach hinten an Größe zunehmen und höchstwahrscheinlich Hörner getragen haben, von denen die hinteren eine kolossale Größe erreicht haben dürften. Ein Tier mit sechs Hörnern, das ist etwas so Absonderliches, Ungeheuerliches, daß der Naturforscher stutzt und nach einer anderen Deutung sucht. Man hat denn auch die Hörner niemals gefunden; allein Horn ist sehr schlecht erhaltungsfähig und findet sich selten fossil, und es scheint keine Möglichkeit vorhanden, jene Stirnzapfen anders zu erklären.

Abb. 25. Schädel des Dinozeras.

Als dritter im Bunde reiht sich den genannten würdig an das Titanotherium (Riesentier), auch Brontotherium, das heißt Donnertier genannt, ein Vetter der Nashörner. Hinsichtlich der Gestalt mochte es zwischen Tapir und Rhinozeros die Mitte halten, stand aber einem Elefanten an Größe wenig nach (4 Meter lang, 2,3 Meter hoch). Der lange niedrige Schädel mit lächerlich kleiner Hirnhöhle zeigt über den Nasenbeinen zwei stumpfe Knochenzapfen, die offenbar große Hörner trugen. Das kräftige Gebiß und die dicken Beine, von denen die vorderen vier, die hinteren drei Hufe trugen, scheinen dafür zu sprechen, daß wir es hier mit einem sumpfbewohnenden Pflanzenfresser zu tun haben.

Die Sippe der Titanotherien war im älteren Tertiär (ältere Braunkohlenformation) Nordamerikas sehr zahlreich vertreten; kennt man doch zur Stunde nicht weniger als 15 verschiedene Gattungen mit zirka 20 Arten. Neben ihnen lebten zahlreiche Rhinozerosse — man kennt über 50 Arten —, von denen die ältesten Formen noch keine Hörner hatten und daher Azeratherien, das heißt Ohnhorntiere getauft wurden; allmählich wurden die Nasenbeine kräftiger und wurden gar durch eine knöcherne Nasenscheidewand gestützt, um eine solide Unterlage für die mächtigen Hörner zu bilden. Damit geht parallel eine Verlängerung des Schädels und die Verkümmerung der Schneide- und Eckzähne, wie denn stets die Änderung eines Organs diejenige eines anderen nach sich zieht. (Die gleiche Entwicklung haben übrigens auch die Titanotherien durchgemacht.)

Die Nashörner (mit und ohne Horn) waren nicht nur sehr arten- und individuenreich, sondern hatten auch eine sehr große Verbreitung; sie bewohnten Nordamerika, Afrika, Europa und ganz Asien bis zum Eismeer.