Schon eine flüchtige Betrachtung ergibt, daß die alten (fossilen) Amphibien von den heutigen in mancher Beziehung abweichen, und bei genauer Untersuchung des Körperbaus wird das noch offensichtlicher. Die jetzigen Lurche (Molche, Frösche) sind nackt, die alten tragen einen Knochenplatten- oder Schuppenpanzer, weshalb sie Panzerlurche genannt werden. Sie stimmen also hierin mit den Reptilien oder Sauriern überein (Eidechsen, Krokodile). Auch sonst haben sie große Verwandtschaft mit letzteren, aber auch mit gewissen Knorpelfischen, vereinigen also die Merkmale von drei heute scharf geschiedenen Wirbeltierklassen. Das Skelett ist meist knorpelig oder nur teilweise verknöchert und die Wirbel sind oft nur angedeutet, die Augenhöhlen meist groß und mit einem brillenartigen Knochenring versehen. Auf der Stirn befand sich ein unpaares drittes Auge, das bei den jüngeren Amphibien verkümmert, aber immerhin noch nachweisbar ist. Selbst beim Menschen ist die rudimentäre Anlage dieses unpaaren Auges als sogenannte Zirbeldrüse des Gehirns vorhanden.
Für die Abstammung der Amphibien ist außer den angeführten anatomischen und entwicklungsgeschichtlichen Tatsachen die Existenz einer kleinen, aber interessanten Tiergruppe, die sich bis auf unsere Tage erhalten hat, von hervorragender Bedeutung; das sind die Lurchfische oder Doppelatmer. Der berühmteste unter diesen ist der Barramundi (Ceratodus) Südaustraliens, ein walzenförmiges, 2 Meter langes Schuppentier, dessen steife, gleichfalls beschuppte paarige Flossen als Schreitbeine benutzt werden können. Er besitzt noch Kiemen für die Wasseratmung, hat aber die Schwimmblase in eine Art Lunge umgewandelt, so daß er im Notfall direkt Luft einatmen kann. Zwei verwandte Gattungen Südamerikas und Südafrikas können des Wassers völlig entbehren. Wenn die Sümpfe und Bäche, in denen sie leben, austrocknen, so stellen sie die Kiemenatmung ein und benutzen ihre primitiven Lungen, das heißt die zelligen Schwimmblasen. Hier sehen wir klar, welchen Weg die Natur gegangen ist, um aus flossentragenden Wassertieren vierbeinige Landtiere zu schaffen. Es hat also in der Vorzeit, wahrscheinlich in der Devonperiode, unter den Fischen eine Scheidung stattgefunden; der größere Teil beharrte beim Wasserleben und änderte daher die Organisation nicht mehr wesentlich; ein kleiner Teil suchte sich dem Landleben anzupassen, und aus ihm gingen alle höheren Wirbeltiere bis zur „Krone der Schöpfung“ hervor. Die heutigen Lurch- oder Molchfische sind gewissermaßen lebende Petrefakten, die letzten Überlebenden einer längst verschwundenen Klasse, die von den Fischen zu den Amphibien und Reptilien und weiterhin zu den Säugetieren und Vögeln hinüberführte.
Abb. 2. Andrias Scheuchzeri (Scheuchzers Riesensalamander).
Unter den jüngeren fossilen Lurchen hat es nur eine einzige Art zur Berühmtheit gebracht; damit verhält sich’s folgendermaßen: In einem Steinbruch bei Öhningen am Untersee (Baden) fand man zahllose Versteinerungen aus der Tertiär- oder Braunkohlenzeit, darunter auch das Skelett eines ziemlich großen Wirbeltiers. Der alte Scheuchzer, Stadtphysikus und Professor der Mathematik in Zürich (1672 bis 1733), ein ausgezeichneter Gelehrter und trefflicher Naturforscher, dem aber das Bestreben, die im Entstehen begriffene Erdgeschichte mit der Bibel in Einklang zu bringen, einen bösen Streich spielte, glaubte darin Schädel, Wirbelsäule und Arme eines jungen Menschen zu erkennen. Er hielt es für eines jener „unglücklichen Adamskinder“, das in der Sintflut umgekommen, und nannte es Homo diluvii testis: Mensch, Zeuge der Sintflut. Ihm erschien es als „ein recht seltenes Denkmal jenes verfluchten Menschengeschlechts der ersten Welt. Die Abbildung gibt zu erkennen den umcreyß des Stirnbeins, die Augenleisen, das Loch an der untern Augenleise, welches dem großen Nerven vom fünften Paar den Durchpaß giebet, Überbleibsel des Gehirns, das Jochbein, etwas übriges von der nasen, ein ziemlich stück von denen kauenden Mäußlein, weiteres 16 Rückgrad-Wirbel und Anzeigen der Leber.“ Dazu dichtete ein frommer Gottesmann das rührende Sprüchlein:
Betrübtes Beingerüst von einem armen Sünder,
Erweich’ das steinern Herz der neuen Bosheitskinder.
Juralandschaft.
Tiere: Im Vordergrund Teleosaurus, Rhamphorhynchus, Pterodaktylus, Archäopteryx.
Im Hintergrund Fisch- und Schlangendrache, Brontosaurus.
Pflanzen: Farne, Sagobäume, Schachtelhalme.