Sandip richtete seine glänzenden Augen voll auf mein Gesicht, bis sie wie der durstige Mittagshimmel glühten. Ein paarmal machte er eine Bewegung, als ob er aufspringen und sich auf mich stürzen wollte. Ein Schwindel ergriff mich, meine Pulse stockten, es sauste mir in den Ohren, ich fühlte, wenn ich jetzt dablieb, würde ich verloren sein. Meine ganze Kraft zusammenraffend, riß ich mich vom Stuhl auf und eilte zur Tür.

Aus Sandips trockner Kehle kam ein erstickter Ruf: »Wohin wollen Sie fliehen, Königin?« Im nächsten Augenblick sprang er mit einem Satz auf, um mich festzuhalten. Jedoch beim Laut von Schritten draußen vor der Tür wich er schnell zurück und sank in seinen Stuhl. Ich stand vor dem Bücherregal still und starrte die Titel an.

Als mein Gatte eintrat, rief Sandip aus: »Sag einmal, Nikhil, hast du nicht Browning da unter deinen Büchern? Ich erzählte unsrer Bienenkönigin eben von unserm Universitätsklub. Weißt du noch, wie wir über die Übersetzung jener Verse von Browning stritten? Erinnerst du dich nicht mehr daran?

Warum blickte sie mich an,
Wenn ich sie nicht lieben sollte?
Gibt es nicht genug der Männer,
— Denn so nennen sie sich auch wohl —
Die schon morgen kaum noch wissen,
Wenn sie ihre ganze Seele
Heute ihnen offenbarte!
Doch daß ich aus anderm Stoffe,
Wußte sie, als ihre Augen
Über jene Schar hingleitend
Plötzlich an mir haften blieben[36].

Ich brachte die Übersetzung ins Bengalische irgendwie zustande, aber das Ergebnis war kaum ein bleibender Gewinn für die bengalische Literatur. Ich habe einmal allen Ernstes geglaubt, ich sei auf dem Wege, ein Dichter zu werden, aber die Vorsehung war gütig genug, mich vor solchem Unheil zu bewahren. Erinnerst du dich an den alten Dakschina? Wenn er nicht Salzinspektor geworden wäre, wäre er Dichter geworden. Ich weiß noch heute, wie er... Nein, Bienenkönigin, es hat keinen Zweck, das Regal zu durchstöbern. Nikhil hat seit seiner Heirat aufgehört, Gedichte zu lesen, — vielleicht hat er seitdem kein Bedürfnis mehr nach Poesie. Aber ich glaube, ›das Fieber des Dichtens‹, wie es im Sanskrit heißt, ist im Begriff, mich wieder anzufallen.«

»Ich bin gekommen, um dich zu warnen, Sandip«, sagte mein Gatte.

»Vor solchem Fieberanfall?«

Mein Gatte beachtete diesen Versuch zu scherzen nicht.

»Seit einiger Zeit«, fuhr er fort, »sind mohammedanische Priester am Werk, die Muselmänner dieser Gegend aufzuwiegeln. Sie sind alle gegen dich aufgebracht und können dich jeden Augenblick angreifen.«

»Kommst du, um mir zur Flucht zu raten?«