Amulja sollte heute morgen von Kalkutta zurückkehren. Ich hatte die Dienstboten beauftragt, mich sofort zu benachrichtigen, wenn er ankäme, aber ich hatte nirgends Ruhe. Endlich ging ich hinaus, um draußen im Wohnzimmer auf ihn zu warten.

Als ich ihn ausschickte, um die Schmucksachen zu verkaufen, muß ich nur an mich gedacht haben. Es kam mir gar nicht in den Sinn, daß ein so junger Bursche, wenn er versuchte, solche wertvollen Juwelen zu verkaufen, leicht in Verdacht geraten könnte. So hilflos sind wir Frauen, daß wir, sobald Gefahr droht, die Last auf andre abschieben müssen. Wenn wir ins Verderben geraten, so ziehen wir die, die uns umgeben, mit hinab.

Ich hatte stolz gesagt, ich wolle Amulja retten, — als ob ein Ertrinkender andre retten könnte! Statt ihn zu retten, habe ich ihn in sein Verhängnis geschickt. Mein lieber Bruder, eine solche Schwester bin ich dir gewesen, daß der Tod an jenem Brudertag gelächelt haben muß, als ich dir meinen Segen gab, — ich, die unter der Last ihrer eigenen Schuld zusammenbricht!

Ich fühle heute, daß der Mensch mitunter von dem Bösen wie von einer Seuche befallen wird. Irgendein Keim fällt irgendwo hinein, und noch in derselben Nacht naht mit großen Schritten der Tod.

Warum entfernt man solchen Kranken nicht von den übrigen Menschen? Ich habe an mir selber erfahren, wie entsetzlich die Ansteckung ist, — wie eine glühende Fackel, die nach allen Seiten auszüngelt, um die Welt in Flammen zu setzen.

Es schlug neun. Ich konnte den Gedanken nicht loswerden, daß Amulja in Gefahr sei, daß er der Polizei in die Hände gefallen sei. Es herrscht gewiß große Aufregung auf dem Polizeiamt: Wem gehören die Schmucksachen? Wie hat er sie bekommen? Und schließlich werde ich öffentlich vor aller Welt auf diese Fragen Antwort geben müssen.

Was für eine Antwort soll das sein? Endlich ist dein Tag gekommen, Bara Rani, nachdem ich dich so lange verachtet habe. Dir wird deine Rache werden, wenn das Publikum mich mit verächtlichen Blicken mustert. O Gott, rette mich nur diesmal, und ich will all meinen Stolz meiner Schwägerin zu Füßen werfen!

Ich konnte es nicht länger ertragen. Ich ging geradewegs zu der Bara Rani. Sie war auf der Veranda und würzte ihre Betelblätter. Thako war bei ihr.

Beim Anblick Thakos wich ich einen Augenblick zurück, aber dann bezwang ich mich, neigte mich tief vor meiner älteren Schwägerin und berührte ehrfurchtsvoll ihre Füße.