Damit zog er den Schmuckkasten unter seinem Mantel hervor und setzte ihn hin, und dann verließ er uns mit hastigen Schritten.
»Höre, Sandip,« rief mein Gatte ihm nach.
»Ich habe keine Zeit, Nikhil,« sagte Sandip, an der Tür stehenbleibend. »Man sagt mir, daß die Muselmänner mich für einen unschätzbaren Edelstein halten, und hinter mir her sind, um mich zu rauben und auf ihrem Friedhof zu vergraben. Aber ich fühle, daß ich noch weiterleben muß. Ich habe noch gerade 25 Minuten, um den Zug nach Norden zu bekommen. Daher muß ich für jetzt Schluß machen; wir werden unsre Unterredung bei der nächsten passenden Gelegenheit zu Ende führen. Wenn du meinen Rat hören willst, so zögre du auch nicht, von hier fortzukommen! Ich grüße Sie, Bienenkönigin, Königin der blutenden Herzen, Königin der Vernichtung!«
Er stürzte hinaus. Ich stand unbeweglich; nie vorher war mir so klar geworden, wie wertlos, wie armselig dies Gold und diese Juwelen sind. Noch kurz vorher war ich geschäftig gewesen, mir zu überlegen, was ich mitnehmen und wie ich es einpacken wollte. Jetzt fühlte ich, daß es überhaupt nicht nötig war, irgendetwas mitzunehmen. Aufbrechen und fortreisen so schnell wie möglich, darauf kam es an.
Mein Gatte trat zu mir und faßte meine Hand. »Es wird spät,« sagte er, »wir haben nicht mehr viel Zeit, unsre Reisevorbereitungen zu beenden.«
In diesem Augenblick kam Tschandranath Babu plötzlich herein. Als er uns beisammen fand, wich er erst zurück, doch dann sagte er: »Verzeihen Sie, Mütterchen, wenn ich störe! Nikhil, die Muselmänner haben sich erhoben. Sie plündern Harisch Kundus Schatzhaus. Das ist noch nicht so schlimm. Aber entsetzlich ist es, wie sie den Frauen des Hauses Gewalt antun.«
»Ich komme,« sagte mein Gatte.
»Was kannst du da tun?« sagte ich und hielt bittend seine Hand fest. »Ach Herr,« wandte ich mich an seinen Lehrer, »wollen Sie ihm nicht sagen, daß er nicht hingeht?«
»Es gibt nichts Dringenderes zu tun, Mütterchen,« erwiderte er.