Die Leute werden sagen, daß ich ein neues Lebensprinzip aufstelle, weil man in dieser Welt anders zu reden pflegt, obgleich man in Wirklichkeit immer danach handelt. Daher können sie nicht wie ich einsehen, daß dies das einzig herrschende Sittlichkeitsprinzip ist. Ich weiß als Tatsache, daß meine Ansicht durchaus keine abstrakte Theorie ist, denn sie hat sich im praktischen Leben bewährt. Ich habe gefunden, daß meine Art immer die Herzen der Frauen erobert, die mit den Füßen auf dem Boden der Wirklichkeit stehen und nicht wie die Männer in mit Ideendunst gefüllten Ballons im Traumland umherschweifen.

Die Frauen spüren in meinen Zügen, meinem Wesen, meiner Haltung, meiner Rede eine despotische Leidenschaft, — nicht eine Leidenschaft, die vom Fieber der Askese verdorrt ist, nicht eine Leidenschaft, die bei jedem Schritt in Zweifel und Bedenken rückwärts sieht, sondern eine vollblütige Leidenschaft. Sie kommt schäumend und brausend wie die Flut daher und brüllt ihr Verlangen hinaus. Die Frauen fühlen im innersten Herzen, daß diese unbezähmbare Leidenschaft das Lebensblut der Welt ist; sie kennt kein Gesetz als sich selbst und daher ist sie siegreich. Daher haben sie sich so oft willig von der Flutwelle meiner Leidenschaft hinreißen lassen, ohne zu fragen, ob Leben oder Tod das Ende ist.

Die, welche ihre Sehnsucht auf das Jenseits richten, geben ihrer Begehrlichkeit nur eine andere Richtung. Es wird sich zeigen, wie hoch der hervorstürzende Strahl ihres Springbrunnens steigen wird, und wie lange seine Wasser spielen. Soviel ist gewiß: die Frauen sind nicht für diese blassen Geschöpfe geschaffen, — für diese idealistischen Lotusesser.

»Wahlverwandtschaft!« Wenn es meinem Zweck entsprach, habe ich oft gesagt, daß Gott bestimmte Paare für einander geschaffen hat und daß ihre Vereinigung die einzig legitime Vereinigung ist, die höher ist, als alle Vereinigungen durch das Gesetz. Denn obgleich der Mensch seiner Natur folgen möchte, ist er nicht zufrieden, wenn er sich nicht hinter irgendeiner Phrase verstecken kann — und dies ist der Grund, warum die Welt so von Lügen überschwemmt ist.

»Wahlverwandtschaft!« Warum sollte es nur eine geben? Man kann sie mit Tausenden haben. Ich habe mich der Natur gegenüber nie verpflichtet, all meine unzähligen Wahlverwandtschaften zu übersehen um einer einzigen willen. Ich habe in meinem bisherigen Leben schon viele entdeckt, aber darum ist die Tür der nächsten nicht verschlossen, — und diese nächste sehe ich deutlich vor Augen. Und auch sie hat ihre Wahlverwandtschaft mit mir entdeckt.

Und nun?

Wenn ich sie nun nicht gewinne, will ich ein Feigling heißen.

Fußnoten:

[14] Verkörperung göttlicher Wesen, die als Menschen oder Tiere auf der Erde geboren werden.