Wenn er heute den Siegeskranz davonträgt und ich übersehen werde, so wird der, der ihm den Preis zuerkennt, einmal dafür Rechenschaft ablegen müssen.

Ich sage dies nicht im Gefühl stolzer Überhebung. Die einfache Notwendigkeit zwingt mich, mir allen Wert, den ich wirklich habe, zu vergegenwärtigen, damit ich nicht ganz an mir selbst verzweifle. Möge daher doch durch die schreckliche Erfahrung des Leides mir wenigstens eine Befreiung zuteil werden — die Befreiung von dem Mangel an Selbstvertrauen!

Ich habe unterscheiden gelernt, was ich wirklich in mir habe und was ich törichterweise zu haben glaubte. Die Abrechnung ist gemacht, und das, was übrig ist, bin ich selbst, — nicht ein verkrüppeltes Selbst in Fetzen und Lumpen, nicht ein krankes Selbst, das auf Krankenkost gesetzt werden muß, sondern eine Seele, die das Schlimmste erduldet und es überstanden hat.

Mein Lehrer ging eben durch das Zimmer und sagte, indem er mir die Hand auf die Schulter legte: »Mach, daß du zu Bett kommst, Nikhil, es ist spät in der Nacht.«

Ja, es ist so schwer für mich geworden, zu Bett zu gehen, bevor es spät ist und Bima fest schläft. Am Tage sehen wir uns und sprechen sogar miteinander; aber was soll ich sagen, wenn wir allein zusammen sind, in der Stille der Nacht? — Da schäme ich mich, körperlich und seelisch.

»Wie kommt es, mein Meister, daß Sie noch nicht schlafen?« fragte ich zurück. Mein Lehrer lächelte ein wenig, als er hinausging, und sagte: »Die Zeit des Schlafens ist für mich vorüber. Jetzt bin ich im Alter, wo man wacht.«

Bis hier hatte ich geschrieben und wollte gerade aufstehen und zu Bett gehen, da sah ich durch das Fenster vor mir, wie der schwere Mantel der Juliwolke sich plötzlich etwas öffnete und ein großer Stern hindurchschien. Er schien zu mir zu sagen: »Im Traumland knüpft man Bande, und sie zerreißen wieder, aber ich bin immer hier — die ewige Lampe der Hochzeitsnacht.«

Und plötzlich wurde mein Herz von der Gewißheit erfüllt, daß hinter dem Vorhang der körperlichen Dinge durch die Jahrtausende hindurch treu die ewige Liebe wacht und auf mich wartet. Manches Leben hindurch habe ich in manchem Spiegel ihr Bild gesehen, — in zerbrochenen Spiegeln, in gekrümmten Spiegeln, in staubigen Spiegeln. Und immer, wenn ich versuchte, mir den Spiegel ganz zu eigen zu machen, und ihn sorgfältig verschloß, dann sah ich das Bild nicht mehr. Aber wozu das alles? Was habe ich mit dem Spiegel, oder überhaupt auch mit dem Bild zu tun?

Meine Geliebte, dein Lächeln wird nie ersterben, und an jedem Morgen wird dein rotes Stirnzeichen mir neu leuchten.

»Welch kindischer Selbstbetrug!« spottet irgendein Teufel von seiner dunklen Ecke aus, — »mit solchem törichten Geschwätz bringt man Kinder zur Ruhe!«