Aber ich selbst kann mich nicht als einen dieser Schatten verscheuchen, und daher liegt die Last meiner Sorge beständig schwer auf dem Herzen meiner Welt.

Warum stellst du dich nicht hoch oben auf die große Heerstraße des Weltalls und fühlst dich als einen Teil des Alls? Was ist dir Bima in diesem ungeheuren, jahrtausendelangen Strom der Menschheit? Dein Weib? Was ist ein Weib? Ein leerer Name, den du wie eine Seifenblase mit deinem eigenen Atem groß gemacht und Tag und Nacht sorglich gehütet hast, und der doch beim ersten Nadelstich von draußen zerplatzt.

Mein Weib, — und also in Wahrheit ganz mein eigen! Wenn sie nun aber sagt: »Nein, ich gehöre mir selber«, — soll ich da antworten: »Wie kann das sein? Gehörst du nicht mir?«

»Mein Weib«, — genügt dieser Name als Beweis, daß sie mir gehört, oder wird sie etwa sogar durch ihn mein Eigentum? Läßt sich eine ganze Persönlichkeit in diesen Namen einfangen?

Mein Weib! — Habe ich nicht in dieser kleinen Welt alles gehegt und geliebt, was es Reines und Holdes in meinem Leben gab? Ich ließ es keinen Augenblick von meinem Herzen, daß es mir nicht in den Staub fallen sollte. Was habe ich nicht alles auf ihrem Altar geopfert an Weihrauch der Verehrung und Musik der Leidenschaft, an Blumen, die der Frühling und der Herbst mir brachten! Wenn sie sich nun wie ein Papierboot in das schmutzige Wasser der Gosse hineintreiben läßt, — sollte ich da nicht auch...?

Da falle ich wieder in mein altes Pathos! Warum »schmutzig«? Und warum »Gosse«? Schmähworte, die man in einem Anfall von Eifersucht braucht, ändern die Tatsachen nicht. Wenn Bima nun einmal nicht mein ist, so ist sie es nicht, und kein Zürnen und Wüten und Streiten kann etwas daran ändern. Wenn mein Herz bricht — mag es brechen! Das wird die Welt nicht zugrunde richten — und mich auch nicht; denn der Mensch ist soviel größer als die Dinge, die er in diesem Leben verliert.

Aber das ist die Rücksicht auf die Gesellschaft ... Die überlaß ich der Gesellschaft selbst! Wenn ich weine, so weine ich für mich, nicht für die Gesellschaft. Wenn Bima sagt, daß sie mir nicht gehört, was frage ich dann danach, wo die ist, die die Gesellschaft als mein Weib ansieht!

Leid muß es geben; aber ich muß mich mit allen Mitteln, die in meiner Macht sind, gegen eine Form der Selbstquälerei schützen: ich darf nicht denken, daß das Leben seinen Wert verliert, wenn das Schicksal mich einmal zurücksetzt. Der volle Wert des Lebens darf nicht für die enge häusliche Welt eingesetzt werden; Erfolg oder Mißerfolg auf dem Gebiet meiner persönlichen Leiden und Freuden sind zu belanglos, als daß sie das ganze große Unternehmen des Lebens bankrott machen könnten.

Die Zeit ist gekommen, wo ich Bimala des ganzen ideellen Schmuckes entkleiden muß, mit dem ich sie behangen habe. Ich gab meiner eigenen Schwäche nach, als ich solchen Götzendienst mit ihr trieb. Ich war zu maßlos in meinem Begehren. Ich machte einen Engel aus Bimala, um meinen eigenen Genuß zu erhöhen. Aber Bimala ist, was sie ist. Es ist widersinnig, zu erwarten, daß sie mir zu Gefallen die Rolle eines Engels spielen sollte. Der Schöpfer ist nicht verpflichtet, mir Engel zu schicken, nur weil ich Verlangen nach einem Idealbild von Vollkommenheit habe, das nur in meiner Einbildung besteht.

Ich muß mir eingestehen, daß ich in Bimalas Leben nur ein Zufall gewesen bin. Ihrer Natur nach ist für sie vielleicht nur mit einem Menschen wie Sandip eine wahre Ehe möglich. Doch ich darf mir nun auch nicht in falscher Bescheidenheit sagen, daß ich es verdiene, hinter ihm zurückzustehen. Sandip hat gewiß manches sehr Anziehende, das auch auf mich sehr stark wirkte, aber ich bin doch sicher, daß er nicht größer ist als ich.