»Da, wo sie sich im Unendlichen findet, jenseits allen Erfolges.«
»Aber was hat alles dies mit unsrer Arbeit für das Vaterland zu tun?«
»Damit ist es dieselbe Sache. Wo unser Vaterland sich selbst als Endzweck setzt, da gewinnt es Erfolg auf Kosten seiner Seele. Wo es das Höchste und Größte als letztes Ziel sieht, da versäumt es vielleicht den Erfolg, aber es gewinnt an seiner Seele.«
»Gibt es dafür irgendein Vorbild in der Geschichte?«
»Der Mensch ist so groß, daß er nicht nur den Erfolg verschmähen, sondern auch das Vorbild entbehren kann. Vielleicht gibt es kein Vorbild dafür, ebensowenig wie das Samenkorn ein Vorbild für die Blume hat. Und dennoch ist der Trieb des Samenkorns auf die Blume gerichtet.«
Es ist nicht so, daß ich Nikhils Standpunkt gar nicht verstehe; darin liegt vielmehr die Gefahr für mich. Ich bin in Indien geboren, und das Gift seines Idealismus steckt mir im Blut. Wie laut ich auch gegen die Tollheit der Selbstverleugnung predige, ich kann mich selbst nicht ganz von ihr freimachen.
So kommen heutzutage bei uns solche sonderbaren Widersprüche zustande. Wir müssen unsre Religion haben und auch unsern Nationalismus, unsre Bhagavadgita und unser Bande Mataram. Die Folge ist, daß beide zu kurz kommen. Es ist, als ob man eine englische Militärkapelle neben unsern indischen Flöten spielen ließe. Ich muß es mir zur Lebensaufgabe machen, diesem fürchterlichen Durcheinander ein Ende zu machen.
Ich möchte, daß der europäische Stil bei uns zur Herrschaft käme, nicht der indische. Dann könnten wir stolz die Fahne der Leidenschaft hochflattern lassen, die die Natur uns mitgegeben hat auf das Schlachtfeld des Lebens. Die Leidenschaft ist schön und rein, — rein wie die Lilie, die aus dem schlammigen Boden kommt. Sie steigt über alles, was sie beflecken will, empor und braucht keine Kunstmittel, um sich rein zu halten.