Nach einem Monat kam Pantschu zurück; sein asketischer Eifer war beträchtlich abgekühlt. Seine beiden Ältesten, ein Junge und ein Mädchen, schmiegten sich an ihn und fragten: »Wo bist du die ganze Zeit gewesen, Vater?« Sein Jüngster saß auf seinem Schoß; sein kleinstes Mädchen war von hinten an ihm heraufgeklettert und hatte ihm die Arme um den Hals geschlungen, und sie weinten alle zusammen. »Ach Herr«, schluchzte Pantschu endlich und wandte sich an meinen Lehrer. »Ich kann diesen Kleinen nicht genug zu essen verschaffen, und ich kann es auch nicht übers Herz bringen, fortzugehen und sie im Stich zu lassen. Was für eine Sünde habe ich denn nur getan, daß ich so an Händen und Füßen gebunden und gemartert werde?«

Inzwischen war der Faden von Pantschus kleinen Handelsbeziehungen zerrissen, und er sah, daß er sie nicht wieder aufnehmen konnte. Er klammerte sich an den Schutz, den mein Lehrer ihm bei seiner Heimkehr unter seinem Dach geboten hatte, und sagte kein Wort von Nachhausegehen. Mein Lehrer mußte endlich davon anfangen. »Hör' einmal, Pantschu,« sagte er, »wenn du dich gar nicht um deine Hütte kümmerst, wird sie ganz und gar einfallen. Ich will dir etwas Geld leihen, daß du wieder etwas hausieren kannst, und dann kannst du es mir nach und nach zurückzahlen.«

Pantschu war nicht sehr erbaut davon, — gab es denn gar nicht so etwas wie Barmherzigkeit auf Erden? Und als mein Lehrer ihn bat, ihm einen Schuldschein für das Geld auszustellen, da hatte er das Gefühl, daß ihm an einer Unterstützung, die er zurückzahlen sollte, nicht viel gelegen sein konnte. Mein Lehrer jedoch wollte ihn sich nicht gern durch ein äußeres Almosen innerlich verpflichten. »Wer die Selbstachtung eines Menschen zerstört, nimmt ihm seine Kaste«, meinte er.

Nachdem Pantschu den Schuldschein unterschrieben hatte, war sein Gruß lange nicht mehr so ehrerbietig, auch die ehrfurchtsvolle Fußberührung unterließ er ganz. Mein Lehrer lächelte darüber; ihm war nichts lieber, als daß Pantschu weniger Unterwürfigkeit zeigte. »Es ist schon recht, daß ein Mensch dem andern die schuldige Achtung erzeigt,« pflegte er zu sagen, »aber was darüber hinausgeht, ist vom Übel.«

Pantschu begann, Stoffe auf dem Markt zu kaufen und im Dorf damit zu hausieren. Er bekam zwar nicht viel bares Geld dafür, aber was er an Waren erübrigen konnte, in Gestalt von Reis, Flachs und andern Erzeugnissen des Feldes, verwandte er auf die Abzahlung seiner Schuld. Nach zwei Monaten konnte er die erste Rate abzahlen, und dementsprechend zog er auch von seinem Gruß etwas an Ehrerbietung ab. Ihm mußte das Gefühl gekommen sein, daß der, den er als einen Heiligen verehrt hatte, ein bloßer Mensch und nicht einmal über die Lockungen des Gewinnes erhaben war.

Während Pantschu mit diesen Dingen beschäftigt war, drang plötzlich die Sturmflut der Swadeschi-Bewegung auf ihn ein.

VII

Es war Ferienzeit, und viel junge Leute aus unserm Dorf und der Nachbarschaft waren von ihren Schulen und Universitäten nach Hause gekommen. Sie schlossen sich mit Begeisterung der Gefolgschaft Sandips an, und einige gaben in ihrem Übereifer ihre Studien ganz auf. Viele von ihnen waren Freischüler meiner Schule hier, einige erhielten Stipendien von mir für ihr Studium in Kalkutta. Sie kamen geschlossen zu mir und forderten, ich solle die fremden Waren von meinem Markt in Suksar verbannen.

Ich sagte ihnen, ich könne das nicht tun.

Sie wurden sarkastisch: »Wie Maharadscha, würden Sie zuviel dabei verlieren?«