Um diese Zeit vereinbarten Surabalas Vater und mein Vater, daß wir uns heiraten sollten. Ich war mit fünfzehn Jahren nach Kalkutta gekommen; Surabala war damals acht. Jetzt war ich achtzehn und nach der Ansicht meines Vaters bald über das Heiratsalter hinaus. Aber ich hatte mir im stillen gelobt, niemals zu heiraten, sondern für mein Vaterland zu sterben, daher sagte ich meinem Vater, ich wolle nicht heiraten, bevor ich meine Studien zum Abschluß gebracht hätte.
Nach zwei oder drei Monaten erfuhr ich, daß Surabala mit einem Rechtsanwalt namens Ram Lotschan verheiratet worden sei. Ich war damals eifrig dabei, Unterschriften für die Beihilfe zur Wiederaufrichtung Indiens zu sammeln, und so berührte mich diese Nachricht gar nicht.
Ich hatte mich immatrikulieren lassen und wollte gerade mein Zwischenexamen machen, als mein Vater starb. Ich stand nicht allein, sondern hatte meine Mutter und zwei Schwestern zu erhalten. Daher mußte ich die Universität verlassen und mich nach einer Anstellung umsehen. Nach vielen Bemühungen erhielt ich die Stelle eines zweiten Lehrers an der Präparandenanstalt einer kleinen Stadt im Distrikt Noakhali.
Ich meinte, hier würde ich gerade am Platze sein. Jeden einzelnen meiner Schüler wollte ich durch meinen persönlichen Einfluß zum Führer des künftigen Indiens heranziehen.
Ich begann mit meiner Arbeit und merkte bald, daß das bevorstehende Examen eine dringendere Angelegenheit war, als die Zukunft Indiens. Der Direktor wurde zornig, wenn ich von irgend etwas anderm redete, als Grammatik oder Algebra. Und in ein paar Monaten war es mit meiner Begeisterung aus.
Ich bin kein Genie. In der Stille meines Hauses fasse ich wohl kühne Pläne, aber wenn ich das Arbeitsfeld betrete, muß ich wie der indische Stier meinen Nacken unter das Joch des Pfluges beugen, die Stachelpeitsche meines Herrn ertragen, den ganzen Tag geduldig und mit gebeugtem Haupt die Schollen aufwerfen und zufrieden sein, wenn ich am Abend etwas wiederzukäuen habe. Solch ein Geschöpf ist nicht dazu geschaffen, sich aufzubäumen und Sprünge zu machen.
Einer von den Lehrern mußte der Feuersgefahr wegen in der Schule wohnen. Da ich unverheiratet war, fiel diese Aufgabe mir zu. Ich wohnte in einem Strohschuppen, dicht bei dem großen Schulhause.
Das Schulhaus stand in einiger Entfernung von der Stadt, neben einem großen Teich. Um diesen herum standen Areka- und Kokospalmen und Madarpflanzen, und ganz dicht neben dem Schulgebäude wuchsen zwei große alte Paternosterbäume und warfen weithin kühlen Schatten.
Etwas vergaß ich zu erwähnen, und es schien mir bis hierher auch nicht erwähnenswert. Der dortige Staatsanwalt Ram Lotschan Ray wohnte in der Nähe unserer Schule. Ich wußte auch, daß seine Frau, meine einstige Spielgefährtin Surabala, dort mit ihm wohnte.
Ich machte die Bekanntschaft des Herrn Ram Lotschan. Ich kann nicht sagen, ob er wußte, daß ich Surabala in ihrer Kindheit gekannt hatte. Ich hielt es nicht für angebracht, diese Tatsache bei unserer ersten Bekanntschaft ihm gegenüber zu erwähnen. Ja, ich muß sagen, ich erinnerte mich damals kaum, daß Surabala je irgendwie mit meinem Leben verbunden gewesen war.