Aber Gokul kehrte nicht zurück, und der arme Dschagannath alterte sehr schnell. Sein leeres Haus erschien ihm mit jedem Tage leerer.

Der alte Mann hielt es nicht mehr still zu Hause aus. Selbst in der Mittagszeit, wenn alle ehrbaren Leute im Dorf ihre Mittagsruhe genossen, dann sah man Dschagannath durchs Dorf wandern, die lange Pfeife in der Hand. Die Knaben hörten auf zu spielen, wenn sie ihn sahen, sie zogen sich geschlossen in sichere Entfernung zurück und sangen einen Vers, den ein Dorfdichter verfaßt hatte und der die sparsamen Gewohnheiten des alten Herrn pries. Niemand wagte es, seinen wirklichen Namen zu nennen, aus Furcht, an dem Tage fasten zu müssen[7], und so legten die Leute ihm andere Namen bei. Die älteren Leute nannten ihn Dschagannasch[8], aber die jüngere Generation nannte ihn einen Vampyr. Vielleicht hatte die blutlose, vertrocknete Haut des Alten eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit der eines Vampyrs.

II

EINES Nachmittags, als Dschagannath wie gewöhnlich die von Mangobäumen überschatteten Dorfstraßen durchstreifte, sah er einen Knaben, augenscheinlich einen Fremden, der die Hauptmannschaft über die Dorfknaben an sich gerissen hatte und ihnen den Plan eines neuen Streiches auseinandersetzte. Durch die Energie seines Charakters und die verblüffende Neuheit seiner Ideen gewonnen, hatten die Knaben ihm alle als ihrem Oberhaupt gehuldigt. Im Gegensatz zu den andern lief er nicht vor dem alten Mann davon, sondern ging dicht zu ihm heran und schüttelte aus seinem Tschadar[9] eine lebendige Eidechse, die auf den Alten sprang, an seinem Rücken hinablief und schnell ins Gebüsch huschte. Der arme Mann zitterte vor Schreck am ganzen Leibe, zur großen Belustigung der andern Knaben, die vor Freude jubelten. Dschagannath ging scheltend und fluchend davon. Doch er war noch nicht weit gegangen, als der Gamtscha[10] plötzlich von seiner Schulter verschwand, und im nächsten Augenblick sah man ihn auf dem Kopf des fremden Jungen, in einen Turban verwandelt.

Die neuen Aufmerksamkeiten dieses Bürschchens wirkten befreiend auf Dschagannath. Es war lange her, seit irgendein Junge sich so etwas bei ihm herausgenommen hatte. Nach vielem guten Zureden und allerlei schönen Versprechungen gelang es ihm endlich, den Knaben zu bewegen, zu ihm heranzukommen, und nun entspann sich folgendes Gespräch zwischen ihnen:

„Wie heißt du, mein Junge?“

„Nitai Pal.“

„Wo wohnst du?“

„Das sage ich nicht.“

„Wer ist dein Vater?“