Seitdem sah ich Kusum täglich zu ihm kommen und ihm ihre Ehrfurcht bezeugen. Wenn er die heiligen Schriften erklärte, stand sie in einer Ecke und hörte ihm zu. Wenn er seinen Morgengottesdienst beendet hatte, pflegte er sie zu sich zu rufen und zu ihr über Religion zu sprechen. Sie konnte wohl nicht alles verstehen, aber sie hörte ihm aufmerksam und schweigend zu und versuchte, es zu verstehen. Seinen Weisungen folgte sie blindlings. Täglich kam sie zum Tempel, immer zum Dienst des Gottes bereit, sei es, daß sie Blumen zum Morgen- und Abendopfer pflückte oder Wasser vom Ganges holte, um die Tempelfliesen zu waschen.
Der Winter nahte sich seinem Ende. Kalte Winde wehten. Aber dann kam am Abend ganz unerwartet die warme Frühlingsbrise vom Süden her; der Himmel verlor sein frostiges Aussehen; nach langem Schweigen ertönte wieder Musik und Flötenspiel im Dorfe. Die Schiffer zogen die Ruder ein, ließen ihre Fahrzeuge mit dem Strom treiben und begannen die alten Lieder von Krischna zu singen. Der Frühling war da.
Damals fing ich an, Kusum zu vermissen. Seit einiger Zeit war sie weder zum Fluß noch zum Tempel oder zum Sannjasin gekommen.
Was dazwischen geschah, weiß ich nicht, aber nach einiger Zeit trafen die beiden sich eines Abends auf meinen Stufen.
Mit gesenktem Blick fragte Kusum: „Herr, hast du mich rufen lassen?“
„Ja, warum sehe ich dich nicht mehr? Warum hast du in letzter Zeit angefangen, den Dienst der Götter zu vernachlässigen?“
Sie schwieg.
„Sage mir deine Gedanken ganz offen.“
Mit halbabgewandtem Gesicht erwiderte sie: „Ich bin ein sündiges Weib, Herr, und so diene ich den Göttern nur schlecht.“
Der Sannjasin sagte: „Kusum, ich weiß, dich quält etwas.“