Da kam ein Ton durch die tiefe Nacht. Uns Schläfrigen deucht es wie ferner Donner. Die Erde erbebte, die Mauern wankten und störten uns auf vom Schlaf. Nur einige riefen: »Der Ton von Rädern wars.« Wir aber murmelten schläfrig: »Es muß das Krachen der Wolken sein!«
Die Nacht war noch dunkel, da klang die Drommete. Die Stimme rief: »Wacht auf, zögert nicht!« Wir drückten die Hände aufs Herz und schauderten furchtsam. Nur einige riefen: »Schaut das Banner des Königs!« Wir sprangen auf unsre Füße und schrien: »Dann ist keine Zeit zum Verzug!«
Der König kam, – doch wo sind Lichter und wo sind Kränze? Wie ist ihm der Thron bereitet? O Schmach, o tiefe Schmach. Wo ist die Halle, der Schmuck? Und einer rief: »Eitel dies Schrein! Grüßt ihn mit leeren Händen, führt ihn zu euren nackten Stuben.«
Öffnet die Tore, blast auf die Muschel! In der Tiefe der Nacht kam der König zu unsern dunkeln Häusern. Der Donner brüllt in den Himmel, das Dunkel erschauert von Blitzen. Bring heraus den verschlissenen Teppich und breit ihn im Hof aus. Mit dem Wetter kam plötzlich der König in furchtreicher Nacht.
52
Mir deuchte, ich sollte dich bitten – doch wagt ich es nicht – um den Rosenkranz, den du im Nacken trugst. So wartet ich bis zum Morgen, da du gingst, um ein paar Brocken auf deinem Bette zu finden. Und wie ein Bettler sucht ich im Zwielicht nach ein oder zwei verstreuten Blättern.
Doch sieh! Was find ich? Welch ein Zeichen ließ deine Liebe? Es ist nicht Blüte, nicht Weihrauch und kein Gefäß mit duftendem Wasser. Es ist dein mächtiges Schwert, flammend wie Feuer, schwer wie ein Donnerkeil. Das junge Licht des Morgens kommt durch das Fenster und breitet sich über das Bett aus. Die Morgenvögel zwitschern und fragen: »Weib, was hast du gefunden?« Nein, es ist nicht Blüte, nicht Weihrauch und nicht ein Gefäß mit duftendem Wasser – es ist dein schreckliches Schwert.
Ich sitze und sinne dem Wunder, was heißt diese Gabe von dir? Ich find keinen Platz, wohin ich es berge. Ich schäme mich, es zu tragen, schwach wie ich bin, es verletzt mich, wenn ich an den Busen es drücke. Doch werde ich im Herzen tragen die Ehre der Schmerzenslast dieser Gabe von dir.
Von nun an soll keine Furcht der Welt in mir sein und siegen sollst du in allen meinen Kämpfen. Du ließest den Tod als meinen Gefährten und ich will ihn krönen mit meinem Leben. Dein Schwert ist mit mir, um meine Bande entzwei zu schneiden und keine Furcht der Welt soll in mir sein.