Sprachlos stand ich in Scham, als du meinen Namen fragtest. Was tat ich für dich, daß du meiner gedenkst. Doch die Erinnerung, daß ich dir Wasser durfte reichen, den Durst dir zu löschen, haftet in meinem Herzen, durchtränkt es mit Süße. Der Morgen ist spät, die Vögel singen in müden Tönen, die Blätter des Paternosterbaums rauschen zu Häupten – ich sitze und sinne und sinne.
55
Matt ist dein Herz und der Schlaf liegt noch auf dem Aug dir.
Kam nicht das Wort zu dir, daß die Blüte in Herrlichkeit herrscht unter Dornen? Wach, o wach auf! Laß nicht die Zeit vergeblich zerrinnen!
Am Ende des steinigen Pfads, im Land keuscher Einsamkeit, sitzet mein Freund ganz allein. Enttäusche ihn nicht. Wach, o wach auf!
Was tuts, wenn der Himmel in Hitze des Mittags flimmert und flittert – wenn der brennende Sand seinen Mantel des Durstes entfaltet –
Freust du dich nicht bis zum Grund deines Herzens? Wird nicht bei jedem Schritt deiner Füße die Harfe des Wegs auftönen in süßer Musik der Schmerzen?
56