Der Mensch hat die Beziehung seines Ichs zu diesem Welt-Ich auch unmittelbar erfahren, unmittelbar, nicht durch die Welt der Formen und Wandlungen, die Welt der Ausdehnung in Raum und Zeit, sondern in der innersten Einsamkeit des Bewußtseins, in der Welt der Tiefe und Intensität. Durch diese Begegnung hat er die Schöpfung einer neuen Welt gefühlt, einer Welt von Licht und Liebe, die keine Sprache hat als die Musik des Schweigens.
Von dieser Welt hat der Dichter [[8]] gesungen:
Es gibt eine endlose Welt, o mein Bruder,
Und ein namenloses Wesen, von dem nichts gesagt werden kann.
Nur der, der ihre Ufer erreicht hat, weiß:
Sie ist anders als alles, wovon man hört und sagt.
Da ist nicht Form, nicht Stoff, nicht Länge, nicht Breite,
Wie kann ich dir sagen, welcher Art sie ist?
Kabir sagt: „Keine Zunge kann sie mit Worten schildern, und keine Feder kann sie beschreiben.
Wie soll der Stumme auch klar machen, welche Süße er gekostet hat?“
Nein, es kann nicht geschildert, es muß erlebt werden; und wenn dem Menschen dies Erlebnis zuteil geworden ist, singt er [[9]] :
Das Innen und das Außen sind zu einem Himmel vereint,
Das Unendliche und Endliche sind eins geworden;
Ich bin trunken vom Anblick des Alls.
Der Dichter hat das wahre Sein erlangt, das unaussprechlich ist, wo alle Widersprüche sich in Harmonie gelöst haben. Denn dies wahre Sein, die letzte Wirklichkeit, liegt in der Persönlichkeit, nicht in Gesetz und Stoff. Und der Mensch muß fühlen: wenn dies Weltall nicht die Offenbarung einer höchsten Persönlichkeit wäre, so wäre es ein ungeheurer Betrug und eine beständige Schmach für ihn. Er muß wissen, daß unter einer solch ungeheuren Last von Fremdheit seine eigene Persönlichkeit gleich am Anfang zermalmt und zu einer leeren Abstraktion geworden wäre, für die selbst die Grundlage eines Geistes fehlte, der sie hätte konzipieren können.
Der Dichter der Upanischad bricht am Ende seiner Lehren plötzlich in ein Lied aus, das in seiner tiefen Schlichtheit das lyrische Schweigen der weiten Erde in sich trägt, wenn sie die Morgensonne anschaut. Er singt:
„In dem goldnen Gefäß verbirgt sich das Antlitz der Wahrheit. O du Spender des Lebens, decke es auf, daß wir das Gesetz der Wahrheit erkennen. O du Spender des Lebens, der du aus eigener Kraft wirkst und schaffst, der du die Schöpfung lenkst, du Herr aller Kreaturen, breite aus deine Strahlen, sammle all dein Licht, laß mich in dir das heiligste aller Wesen schauen, — den Einen, der da ist, der da ist, das wahre Ich [[10]] .“