ES gibt Dinge, die wir von außen bekommen und als Besitz an uns nehmen. Aber mit der religiösen Betrachtung ist es umgekehrt. Hier treten wir mitten in eine große Wahrheit ein und werden von ihr in Besitz genommen.
Laßt uns im Gegensatz dazu sehen, was Reichtum ist. Geld repräsentiert eine entsprechende Summe von Arbeit. Vermittelst des Geldes kann ich die Arbeit vom Menschen loslösen und sie in mein Eigentum verwandeln. Ich erwerbe sie von außen und wandle sie in eigene Kraft um.
Oder nehmen wir das Wissen. Es gibt eine Art, die wir von andern übernehmen, und eine andre Art, die wir uns durch Beobachtung, Experimente und Nachdenken erwerben.
Alles dies sind Versuche, uns etwas, was wir nicht haben, zu eigen zu machen. Bei diesen Dingen sind unsre geistigen und physischen Kräfte in ganz entgegengesetzter Weise tätig als bei der religiösen Betrachtung.
Die höchste Wahrheit können wir nur erfassen, indem wir uns in sie versenken. Und wenn unser Bewußtsein ganz in sie eingetaucht ist, dann wissen wir, daß sie kein bloßer Besitz ist, den wir erworben haben, sondern daß wir eins mit ihr sind.
So werden durch solches Versenken, wo unsre Seele ihre wahre Beziehung zur höchsten Wahrheit findet, auch alle unsre Handlungen und Worte, unser ganzes Wesen wahr.
Ich möchte hier einen Text anführen, der uns in Indien zu solcher Versenkung dient.
Om bhūr bhuvaḥ svaḥ.
tát savitúr váreṇyam
ebhárgo devásya dhīmahi
dhíyo yó naḥ pracodáyāt [[16]] .
Om. Das heißt Vollkommenheit; es ist in der Tat das symbolische Wort für das Unendliche, Vollkommene, Ewige. Der Laut an sich schon ist vollkommen und stellt die Ganzheit aller Dinge dar.
All unsre religiösen Betrachtungen beginnen mit Om und enden mit Om. Es soll den Geist mit der Ahnung der ewigen Vollkommenheit erfüllen und ihn aus der Welt der engen Selbstsucht befreien.