Nun seid ihr lange eingefahren zur letzten Schicht. Ob ihr den Bergmannstod starbt tief unter der Erd’ und man euch im weißen Sarg nach Hause trug, ob eure bergsüchtige Lunge auf dem Strohsack verröchelte, – wer weiß, wo ihr euren Feierabend fandet. Über eure Schächte ging die Zeit. Erde deckt Mühsal und Last. Erde deckt alles Hoffen auf Goldene Rose und Silberlilie.

Aber die Gnade Gottes mag mit euch sein. Und der Morgenstern möge euch leuchten wie ein gleißender Anbruch im Schacht.

Reicht mir die Schwielenfaust:

Glückauf, Alter Mann!

Mein Gruß ist Hochachtung und Ehrfurcht.

Schpinne

Weiß der Himmel, wie sich der gute Alte diesen Spitznamen erworben hat!

Die Spitznamen im Bergstädtchen sind nicht immer Liebkosungen. Sie verlieren zwar mit der Zeit Sinn und Ätze. Kein Mensch denkt sich etwas dabei. Aber sie bleiben an ihrem Träger haften wie Vogelleim und erben sich fort auf Kindeskind.

Wenn einer damals in der Bergstadt nach Herrn Karl Riese gefragt hätte, wäre er lange irre gegangen. Und die Bergstadtleute hätten die Gegenfrage gestellt: Welchen Riesen meinen sie, den, den, den oder den? Fünfe, sechse, hätten sie hergezählt und an jeden ehrsamen Namen Riese ein Anhängsel mit Eigenprägung gehängt, das sie alle säuberlich auseinanderhielt.