Diese vier waren in den Augen des Vogelstellers der Beachtung wert. Was dann aber aus der Gattung Fink etwa noch sang: ziziziquatschmarakel! oder: latschlatschlatschzwetschenkern! oder: üsüsüsjebzwiakel! oder: ziziziweinzieher! – das alles war minderwertig und kam unter die anrüchige Rubrik: Latscher.

Auch die Kreuzschnäbel waren nicht alle in die gleiche Gesangsschule gegangen: Ripp-ripp-ripp! machte der Ripper, ein helles Kliff-kliff-kliff! der Kliffer. Der beste Lockvogel unter ihnen war der Klitscher: Klitsch-klitsch-klitsch!

In solcher Art war alles, was an Finken und Grünitzern, Zeisigen, Rotkehlchen, Hänflingen, Stieglitzen, Gimpeln, Zwunschen, Quäkern, Zetschern und Lessigen in Leimhusens Vogelbude hing, nach Klasse und Rasse und Rassigkeit wohlgeordnet und unterschieden.

Ihrer Wertordnung entsprechend war auch das Verhältnis, das Leimhus zu jedem einzelnen seiner Pflegebefohlenen einnahm. Wenn er die Futtertüten aus der Ecke holte und mit zerbeultem Zinnlöffel dem einen Mohn, dem anderen Rübsamen ins Näpfchen schüttete, hatte er für alle ein Wörtlein bei der Hand. Diese einseitig geführte Zwiesprache war nicht immer freundlich. Manchmal lag eine Art rauher Herzlichkeit darin, sprang auch wohl ein Fünklein Seele hinein. Sie wurde um so wärmer, je mehr der kleine Sänger das Wohlwollen seines Brotherrn besaß.

Kumm, Hansel! Host schien gesunga. – Un du, Kläner, host gestern fein gelockt, – heite kriegste än Happen meh’! – Na, du nacketer Zessig? Singe witte net, oder frassen immerzu. – Wos saht denn nu äner zu dissen Haneflig! Hot wieder dos ganse teire Futter verorzt. Wart, Jerrich, dich will ich Moses larna! Heite gitts nischt!

So ließ er Sonne scheinen über die Gerechten und Donner poltern über die Ungerechten.

Nach dem Füttern ward die bunte Schar nach draußen gehängt. Dann bekam jedes Fenster eine Umrahmung voll Farbe und Musik und hüpfenden Lebens. Sie verrieten die »Firma«. Leimhus brauchte ein Aushängeschild wirklich nicht. Ein werbenderes hätte sich auch schlecht denken lassen. Man sah nicht nur, daß es im Jagderhaus zweifellos Vögel zu kaufen gab. Gelegentlich konnte der Vorübergehende, wenn auch nicht sehr augenfällig, bemerken, daß der Vogelsteller auf Ergänzung seines Bestandes bedacht war. Hier und dort staken wie harmlose Zierate Leimruten an den Käfigen.

Das war freilich nur geringfügiger Nebenbetrieb. Leimhusens hohe Zeit kam, wenn im Herbst die Vögel zu ziehen begannen.

Das Herannahen des Vogelzuges war sozusagen zu riechen, – das heißt, wenn einer in der Nähe des Jagderhauses wohnte. Zu pünktlicher Zeit traf Leimhus seine Vorbereitungen. Auf seinem Herd bruzzelte ein Eisentopf voll Leinöl. Das stinkende Räuchlein, das sich darüber bildete und zu Schornstein und Hintertür hinausstrebte, war schlechterdings von keiner Nase unbemerkt zu lassen. Dann schnupperten die Nachbarsleute, und über ihr Gesicht ging ein verständnisinniges Lächeln. Leimhus indes stand vor dem Herd und rührte und probierte und kochte so lange, bis das dünne Öl zum zähen Vogelleim zusammengeschmurgelt war. Er entnahm ihm mit einem Span eine Probe, prüfte sie sachgemäß zwischen zwei Fingern und verwahrte den klebrigen Klumpen im Leimbüchsel.

Mit dem Leimkochen aber waren die Vorbereitungen zum Vogelfangen nicht erschöpft. Der Leimrutenvorrat mußte ergänzt werden. Dünne Salweidenruten wurden geholt, geschält und angespitzt, damit sie sich in die Dietle stecken ließen. Die Dietle waren Endchen von Himbeerzweigen, die wegen ihres weichen Marks als Hülse dienten und das Verbindungsstück zwischen Leimrute und Dorre herstellten. Dorre, so hieß der Stellbusch und war weiter nichts als ein dürres Buchen- oder Weidenbüschlein. Aber die Dorre war sperrig und verräterisch. Viel einfacher und unauffälliger war die Klatte. Eine Klatte sah ganz harmlos aus: