Seht euch die Steinbrücken der Alten an.

Es schmiegt sich alles in die Umgebung hinein. Die Brücke wächst aus dem Bach heraus. Das Steingebröckel des Flußbettes ist zu einem Bogen gebändigt. Ist kein Stein darin frisiert und mathematisch zurechtgestutzt. Die Vielfältigkeit des Baches lebt lustig in der Brücke weiter. Sie ist ein Teil von ihm geworden. Es ist nichts Fremdes, Störendes, Langweiliges in die Landschaft gekommen. Alles ist so einfach und kunstlos, und doch sind diese Steinbrücken Kunstwerke und Meisterstücke der Alten …

Heute bauen sie Betonbrücken. Beton ist billiger, geht schneller und erfüllt denselben Zweck. Zivilisation hat viel Kultur erdrosselt. Was wissen Pfennigfuchser und Bürokraten von dem goldenen Gesetz des Handwerks, das neben dem Zweckmäßigen das Bodenständige, Echte und Schöne fordert!

Das Schöne …

Du lieber Gott, schicke doch endlich deinen Geist hernieder. Gib den Berufenen Einsicht und ein wenig Sinn für die Schönheit des Harzheimatlandes. Laß sie die Bergbäche, – deine lustigen Kinder! – nicht mit Betonklötzen verschandeln. Tue ein Wunder, und laß alle Zementsäcke, die sie an ein Harzbächlein schleppen, steinhart und unbrauchbar werden. Schlag alle Betonbrücken zusammen!

Die steinernen aber behüte noch tausend Jahr.

Die braune Einsamkeit

Sieben Monde beißt sich der Hochharzwinter da oben fest. In dreien führen Regen, Nebel und Wind die Herrschaft. Was überbleibt vom Lauf des Jahres, ist nicht immer Sonnenschein und Wärme.

So ist das Gesicht des Moores ernst geworden. In Not und Bedrängnis hat es das Freuen verlernt. Wenn es lächeln will, wird nicht mehr daraus wie ein müdes, verschüchtertes Augenblinzeln. Die lichte Unendlichkeit des Himmels über ihm ist Schwermut. Seine Bläue stirbt in schwarzen Wasserlöchern. Zwischen Fichten und Sümpfen hockt die Einsamkeit. Hier oben ist ihr Antlitz ein anderes als in den Quellengründen des Bergwaldes. Stille wird zur Melancholie, Schweigen zum Schauern.