Ein Einsamer ist’s. Mit schönem Schwung hält er vor der Hütte. Er schnallt die Bretter ab und steckt den Hüttenschlüssel in das rostige Schloß. Das Knarren des Riegels scheint ihm Musik zu sein. Er lächelt. – Durch die offene Tür fällt blendende Helle in die dunkle Heimlichkeit des Hüttenraums. Das Hüttenmäuslein fährt erschreckt zusammen und weiß vor Entsetzen nicht, wohin es soll. Der einsame Skiläufer tritt den Schnee von seinen Füßen. Die Hütte gibt das Echo seiner Tritte zurück. Das ist ihr Willkommengruß. Er wirft den Rucksack ab und stößt die Fensterläden auf.
Wie stille ist der weiße Wald, wie stille die Hütte! Und diese große Stille rings wirkt wie eine erlösende Entspannung auf den Hüttengast. Er setzt sich, muß ein Weilchen die Augen schließen. Und wieder lächelt in seinem Gesicht ein Glück. Wie bei einem, der nach Hast und Unrast den Frieden gefunden hat, den ihm der Alltag nicht gab. In der Hütte fand schon mancher seinen Frieden.
Nun prasselt es lustig im Hüttenofen. Im Topfe brodelt Schneewasser. Das Hüttenbrünnlein schläft unter Eis und Schnee. Teeduft weht über das flackernde Talglicht hin und mischt sich mit blauen Tabakwölkchen. Die Hütte beherbergt einen frohen Menschen. Er reckt sich in behaglicher Ungebundenheit, qualmt sein Pfeifchen und träumt. Wo träumt sich’s schöner als hier? Und wo läßt sich’s besser schlafen als nachher auf harter Hüttenpritsche!
Gemach verlöscht das Feuer im Ofen. Verglühende Scheite bersten. Das Hüttenmäuslein wagt sich wieder hervor. Warmgewordene Balken knacken. Von draußen klingt wie fernes, leises Rauschen das Lied des Windes überm Wald …
Druck F. A. Lattmann
in Goslar am Harz
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