Im elterlichen Hause werden die nationalen Mädchen im Allgemeinen nicht verzärtelt — „noch“ nicht! —, wie es leider bei uns und besonders in Amerika stattfindet, wo dieselben, für ein über Alles bevorzugtes Geschlecht betrachtet, eingebildet oder zu einer Modepuppe — dies namentlich bei uns — erzogen werden. Hier besitzen jene daher noch die mädchenhafte Naivetät und Frische, während bei uns das junge Mädchen dieselben oft im kürzesten Rocke schon verloren und als grosse Dame der Intrigue auftritt. Die Mädchen von Hawaii besitzen in Folge ihrer von Jugend auf genossenen Selbstständigkeit eine Art weiblichen Instinktes vor den Gefahren, welchen unsere meist verwöhnte oder verzogene Jugend so leicht in die Arme läuft.
Die Charakteristik der Frauen und Mädchen ist der der Männer sehr ähnlich und folgende: Sie sind von starkem, der Korpulenz sich hinneigendem, kräftigem Körperbau mit meist edlen Gesichtsformen und graziösen Bewegungen, kühne Reiterinnen, unermüdliche und gute Tänzerinnen, zuvorkommend und sehr natürlich in Bewegung und Rede, gutmüthig und geneigt für wohlthuende Zwecke, aufgeweckt und frei in ihrer Unterhaltung. Sie besitzen eine auffallende Gabe, mit kühner Gewandtheit ihrer Umgebung Respekt einzuflössen, besitzen ein auffallendes Selbstbewusstsein, das dadurch entstanden, dass das hiesige weibliche Geschlecht dem männlichen moralisch weder über- noch untergeordnet, daher gleich berechtigt war. Dies wird namentlich dadurch erhellt, dass seit uralter Zeit es üblich gewesen, dass die Könige des Landes als „kuïna-nuis“, d. h. Premiers meist Frauen ernannten, die die Hauptleitung der Regierung in Händen hatten. Obgleich dies im Widerspruche zum früher erwähnten „tabú“ steht, in Folge dessen die Frauen mit den Männern nicht unter einem Dache speisen durften, so ist dies dadurch zu erklären, dass diese „tabunirte“ Sitte sich nicht auf die Missachtung des weiblichen Geschlechtes, sondern auf die Verschiedenheit der Schutzgötter der Geschlechter sich stützte, und zwar in der Voraussicht, dass dieselben während des Speisens möglicher Weise in Streit gerathen und die ruhige Verdauung der Speisenden hindern könnten.
Das weibliche Geschlecht ist trotz ihrer respekteinflössenden Eigenschaft leidenschaftlich und wie schon früher erwähnt in Extremen von Freude zu Kummer wechselnd, daher auch wechselnd im Temperament, in den Gefühlen der Freundschaft und Feindschaft, des Interesses und der Gleichgültigkeit, daher höchst unsicher in der Bekanntschaft. Es besitzt trotz seines so freien, natürlichen Auftretens und des leidenschaftlichen Wechsels ihres Temperamentes sowie die Männer eine bedeutende Gabe der Verstellung: mit keinem Zuge, keiner Bewegung verrathen sie ihre innersten Gedanken und Gefühle bis zu dem Augenblick, wo sie sich von diesem Gedanken befreien wollen, wo alsdann eine Ausströmung ihrer lange bemeisterten Gedanken und Gefühle unter bald leidenschaftlichem Lachen bald leidenschaftlichem Weinen stattfindet, sodass man dieselbe faktisch nur mit dem Auslassen der Luft aus einem Luftkissen vergleichen kann, wo nämlich sodann in beiden Fällen der Schluss eine vollständige Erschlaffung ist.
Wenn sie sich der Liebe für einen Mann oder für irgend etwas hingeben, so geschieht dieses mit völligster Eifersucht, jeden Augenblick mit Leidenschaft bereit, dem Gegenstand ihrer Liebe sich zu opfern oder sich zu rächen.
Sie besitzen im höchsten Grade die Liebe für Blumen, grelle Farben, Schmuck, zugleich für Poesie, Musik, und scheuen keine Ausgaben, keine Mühe, um den Genuss derselben sich zu verschaffen.
Sie sind, im Allgemeinen genommen, häuslich und in der Häuslichkeit thätig und geschickt, zugleich aber auch südländisch unordentlich und lieben, während der Verrichtung ihrer Beschäftigungen sich hin und wieder Zeit zum vollständigen dolce far niente zu geben, wo sie dann am liebsten, auf der Matte hingestreckt, rauchend, in Gedanken vertieft, oder mit den neben ihnen Ausgestreckten im Halbdunkel die Zeit mit Plaudern oder Klatschen verbringen.
Diese Gewohnheit der Herzerleichterung resp. der Klatscherei ist unter der hiesigen Frauenwelt im höchsten Grade verbreitet und bildet gegenüber den ausserordentlichen Eigenschaften den grössten Fehler ihres Charakters.
IX. Abtheilung.
Mein Entschluss, — Rekapitulation meiner Eindrücke.