„Ja, ich glaube, daß ich Sie verstehe. Und ich will Ihnen beistehen mit meinem Gebet . . . Aïssé, Sie sind keine Sklavin. Der Chevalier liebt nur Sie, er kann gewiß den Hof entbehren. Heiraten Sie ihn und verlassen Sie mit ihm Paris. Sie dürfen nicht seine Geliebte sein.“

Aïssé dachte lange nach. „Unmöglich,“ flüsterte sie endlich mit zitternder Stimme. „Denken Sie an den Prinzen von Conti, der seine Frau zuerst so liebte . . . Sie waren kein Jahr verheiratet, da betrog er sie und kam nicht einmal mehr nach Hause, um zu essen und zu schlafen. Alle sagen, daß sie einander hassen. Ich ertrüge es nicht . . . Wenn er sie entbehren sollte, zöge es ihn vielleicht doch wieder zu den Frauen seiner Gesellschaft. Aïssé fuhr in die Höhe und rief trotzig: „Und dann, ich will nicht noch einmal gekauft werden, wie ich gekauft worden bin, nackt und bloß, ohne Eltern und Freunde! Er soll mich lieben, bis ich tot bin, und dann eine Dame heiraten, mit der er seinen Eltern unter die Augen treten darf.“ Nach einer Weile fügte sie hinzu: „Ehrwürdiger Vater, es dauert nicht mehr lange! bitte, haben Sie Nachsicht mit mir, verstoßen Sie mich nicht.“

Sie starrte in das Dunkel des Beichtstuhls mit angstgroßen Augen, die ihr Urteil erwarteten.

„Dann sagen Sie wenigstens und lassen Sie verbreiten, daß der Chevalier Ihnen seine Hand angeboten hat.“

„Warum?“ fragte Aïssé.

„Damit Ihre Liebe nicht erniedrigt wird.“

Er bat Aïssé, bald wiederzukommen, und entließ sie ohne Absolution . . .

Am Abend dieses selben Tages gab der Regent seinen Freunden ein Fest. Da saß Aïssé und war gezwungen, Frau von Berry, der Tochter des Regenten, die in fetter Röte neben ihr thronte, ihre Beobachtungen über das Hofleben mitzuteilen. Sie wandte das schmächtige Gesicht hin und her und konnte ihre Ungeduld nicht verbergen.

„Madame, Sie verzeihen, aber Ihre Sitten werden mir wohl immer ein wenig fremd bleiben. Herr von Ferriol hat mich auf einem Sklavenmarkt aufgelesen, wo ich, elfjährig, zum Kauf angeboten wurde, und mich nach Paris in seine Familie und dann ins Kloster gebracht. Ich habe mir viel Mühe gegeben zu lernen. Trotzdem kann ich nicht lieben, wie die hohen Damen, die mich mit ihrer Freundschaft beehren.“

Die Herzogin von Berry warf den Fächer auseinander und sagte entschuldigend: