„Sie sind ja auch noch fast unverdorben . . . Herr von Ferriol wird sich freuen, Sie in solchem Zustand zu bekommen. Wie lange bleibt er denn noch in Konstantinopel?“

Aïssé errötete.

„Madame. Sie tun Herrn von Ferriol Unrecht. Herr von Ferriol ist für mich wie ein Vater.“

„Hören Sie? Hören Sie?“ rief die Herzogin und winkte mit dem Fächer. Der Regent blieb vor ihnen stehen:

„Braune Diana mit den Honigschultern, sollten Sie endlich meiner Tochter gestanden haben, daß Sie mich nicht mehr verabscheuen?“

Der Graf von Charolais aber, der wieder getrunken hatte, sammelte schnell einige Herren und stellte sich mit ihnen in die nahe Fensternische, von wo sie Aïssés Minenspiel beobachten konnten.

„Aufgepaßt,“ flüsterte er. „Ich habe zweihundert Dukaten gegen ihre Unschuld gewettet! Wenn ich euch sage, daß Richelieu Bresche gelegt hat . . . .“

Aïssé sah, wie alle Gäste des Regenten einen Kreis um sie schlossen, und sie bemerkte auch den lüsternen Stolz, mit dem Frau von Ferriol, die sie, mit Spott, ihre Stiefmutter nannten, jetzt durch die wispernden Gruppen auf sie zuschritt. Das war die ganze Belagerungsarmee, die der Regent geworben hatte und mit Versprechen von Gold, Regimentern, Pfründen, Titeln und wiederum Geld und — Liebe in Atem hielt. Und dort aus der Tür trat der bildschöne Richelieu, lächelnd, wie immer. Sie schlug erschreckt die Augen nieder.

„Beschämen Sie mich nicht. Wie könnte ich Sie verabscheuen, wo Sie gut zu mir sind.“

„Indes, Sie lieben mich auch nicht, und es ist — vielleicht eine schlechte, aber, ich versichere Sie, unüberwindliche Gewohnheit von mir, geliebt zu werden!“