Wir setzten uns nebeneinander an die Wand, den Saal vor uns, und nahmen eine Haltung ein, als ob wir plauderten. So sangen wir einander unsere Liebe zu. Wir hätten am liebsten geschwiegen, weil wir dann die Stimme am deutlichsten hörten. Aber wir wagten es nicht. Gleich hätte sich, mit spöttischem Gesicht, ein Kavalier eingefunden und behauptet, daß er die junge Dame unterhalten müsse. Wir hockten wie halb versteckt an den untersten Stäben eines großen Papageienkäfigs, den von Zeit zu Zeit grelle Flüge durchbrausten. Sie störten die sich artig und listig drehenden Tierchen gewaltsam auf. Dann war alles ein bunter kreischender Wirbel, der den Käfig selber hochzuheben und fortzureißen schien. Aber plötzlich standen sie wieder in Reih und Glied, schüttelten zeremoniös die Flügel, verteilten sich gravitätisch, zu vier und fünf, auf den vielen Stäben und Ringen und taten feierlich und immer kokett, als hielten sie, in verschiedenen Kommissionen, eine wichtige Beratung ab. Am Boden kauerten Verletzte, andere schaukelten mit eingezogener Pfote auf den Ringen. Sie gaben sich die größte Mühe, wohlauf und keck zu scheinen, und wußten die schmerzhaften Zuckungen ihrer Flügel so zu deuten, als ob sie sich gar nicht an die Ruhe gewöhnen könnten und am liebsten gleich wieder den Verstand verlören. Es kam vor, daß einige mit dem Leben auch die Fassung einbüßten und rücksichtslos auf den Rücken fielen . . .
Als das Feuerwerk abgebrannt war, kam der Regent auf uns zu.
„Chevalier,“ rief er, „ich werde Sie an die Grenze schicken.“
Aïssé, die er dabei ansah, wurde weiß um die Augen.
„Kind, wie können Sie mich für so grausam halten. Wenn er Sie heiratet, mache ich ihn zum Hauptmann in der Garde.“
„Sie sind ein Volk von Wilden,“ erwiderte sie matt, und der Regent ging lachend davon. Die schöne Türkin durfte sich viel herausnehmen!
Bald darauf entstand Lärm, Frau von Ferriol wand sich durch die nach dem Spielzimmer drängende Menge:
„Im Spielzimmer schlagen sie einander. Der Graf von Charolais hat verloren . . . Das nennt man ein intimes Fest. Wir wollen nach Hause, — bevor es ihnen einfällt, sich über die Frauen herzumachen.“
Im Spielzimmer sah ich, wie der Graf von Charolais seine Freunde von sich abschüttelte und mit geschwungenem Degen auf ein Kruzifix losstürmte, das über dem Kamin hing.
„Nieder mit ihm!“ brüllte er. „Nieder mit ihm . . .“