„Wann wird denn endlich das Feuerwerk abgebrannt?“
Der Regent nickte:
„Die Zündschnur will nicht Feuer fangen . . . Die Hoffnung erhält mich am Leben, Mademoiselle.“
Er reichte seiner Tochter den Arm — Vor Aïssé und Frau von Ferriol stand der Kardinal Dubois und schwärmte leise:
„Madame, Sie sind heute schöner denn je, und glauben Sie mir, der Regent hat ebenso gute, wenn nicht bessere Augen, als ich. Kennen Sie schon die Geschichte von der Stiftsdame, die sich in die Venus verwandelte? Herr Graf von Charolais, wenn Sie zuhören wollen, müssen Sie nähertreten . . . Ich bitte darum . . . Eine Stiftsdame, wie gesagt. In der Garderobe des Regenten stand auf dem Postament eine Venus, die, weil irgendwie beschädigt, zur Reparatur weggebracht worden war. Unsere Stiftsdame schlich sich ins Zimmer, entkleidete sich, nahm den Platz der Göttin ein, und wie der Regent sich zur Ruhe begeben wollte — Ich muß sagen, daß die Dame von Natur wunderbar geformt war. Jedoch, es zeigte sich, daß sie kein Herz hatte. Der Regent mußte ihr bedeuten, daß er es nicht liebe, wenn Damen zwischen zwei Bettüchern von Geschäften reden, und schickte sie fort . . . Sie scheinen toll vor Liebe und wollen doch nur Geschäfte machen. Ein Herz fehlt, ein Herz, das zugleich Frankreichs Herz wäre. Denn im Grund ist er der edelste Charakter, ich kann sagen, der edelste von allen, die ich kenne.“
Er sah Aïssé fragend an.
Sie lächelte.
„Das begreife ich,“ sagte sie, erhob sich langsam, und dann streckte sie, wie ein Mädchen, mir, mir, der auf sie zueilte, die kleine runde Hand entgegen. Zugleich nahm Charolais den Arm des Kardinals:
„Kommen Sie, ich möchte den Kerl erst aufspießen, wenn der Regent sich zurückgezogen hat. Machen wir unterdessen ein Spiel.“
„Seit vier Stunden bete ich zur himmlischen Jungfrau, daß sie dich schicken möge, um mich zu befreien. Jetzt bist du da.“