»O nein,« entgegnete der Justizrat, »Sie wollen jetzt viel höher hinaus.«
»Jetzt?« wiederholte Deruga auffahrend, »was meinen Sie damit? Was erlauben Sie sich? Meinen Sie, Sie können mich als dummen Jungen behandeln, weil ich angeklagt und vogelfrei bin? Ich halte mich allerdings für zu gut, mich an eine solche dumme und ungebildete Person wegzuwerfen. Die Weiber sind mir überhaupt widerlich.«
»Mit Ausnahmen,« sagte der Justizrat kühl.
»Das stimmt,« fuhr Deruga in hitzigem Tone fort. »Zum Beispiel mit Ausnahme der Baronin Truschkowitz. Sie ist habgierig, eitel, selbstsüchtig; aber dafür klug, elegant und ganz und gar unmoralisch. So müssen Frauenzimmer sein, damit man sich gut mit ihnen unterhalten kann.«
»Geschmackssache,« sagte der Justizrat. »Einen Meineid würde sie jedenfalls nicht für Sie schwören.«
»Nein, sie ist weder einfältig noch hündisch,« sagte Deruga, »und ich mag die Hunde nicht. Was kümmert Sie die Valeska? Lassen Sie sie zugrunde gehen, wenn sie will! Sie haben für mich zu sorgen.«
»Das tue ich,« sagte der Justizrat, »und ich zweifle eben, ob es ehrenhaft von Ihnen wäre, wenn Sie ein solches Opfer annähmen.«
Deruga lachte höhnisch. »Eins von diesen pompösen Worten,« sagte er, »die in eurer Gesellschaft üblich sind. Ehre, Moral, Ideal, Gott, Unsterblichkeit, lauter gemalte Säulen auf Sackleinewand. Man braucht euch keine dreißig Silberlinge zu bieten, damit ihr Gott verratet. Übrigens, wer sagt denn, daß die Valeska einen Meineid schwört? Woher wissen Sie, daß ich nicht vom 1. bis 3. Oktober bei ihr war?«
Der Justizrat stand auf, um zu gehen. »Genug für heute,« sagte er; »aber ich nehme an, daß das nicht Ihr letztes Wort ist.«
»Und ich bitte Sie,« sagte Deruga, »fangen Sie nicht wieder davon an, wenn Sie wollen, daß wir gute Freunde bleiben! Weder Sie noch ich sind Valeskas Hüter. Sie tun am besten, sich an die Tatsache zu gewöhnen, daß sie leichtsinnig genug war, mich vom 1. bis zum 3. Oktober vorigen Jahres bei sich zu beherbergen.«