»Das käme wohl zu spät,« sagte der Justizrat. »Sie will durchaus bezeugen, daß Sie vom Abend des 1. Oktober bis zum Nachmittag des dritten bei ihr gewesen seien. Da hätten wir denn ein Alibi.«

»Im Ernst?« sagte Deruga aufhorchend. »Das will die dumme Person? Nun, das ist ja eigentlich sehr angenehm. Besser könnte der Knoten gar nicht gelöst werden.«

»Das will ich denn doch nicht gerade sagen,« meinte der Justizrat bedächtig. »Es ist doch keine Kleinigkeit, wenn einer einen Meineid auf sich nimmt.«

»Das ist ihre Sache,« sagte Deruga heftig. »Herrgott, dieser kleinliche Wortkram! Es gibt Lügen, die einen anständigeren Ursprung haben als manche Wahrheit. Überhaupt ist das ihre Sache. Ich habe so viele Belästigungen von ihr ertragen, warum sollte ich nicht auch den Vorteil annehmen?«

»Natürlich,« sagte der Justizrat, »wenn es ohne ernstlichen Schaden ihrerseits geschehen kann.«

»Es ist merkwürdig, daß Sie auf einmal so bedenklich geworden sind,« sagte Deruga scharf. »Durch Sie bin ich in diese Lage gekommen. Wäre ich meiner Regung gefolgt, so wäre es längst so oder so zu Ende. Nun sich ein Mittel findet, mir den Prozeß in Ihrem Sinne vom Halse zu schaffen, machen Sie moralische Ausflüchte.« Er war vor Erregung rot geworden und warf einen wütenden Blick auf den Justizrat, der ihn nachdenklich betrachtete.

»Ich mußte mir doch erst Klarheit verschaffen,« sagte dieser, »und wissen, wie Sie zu der neuen Wendung stehen. Schließlich, wenn Sie einverstanden sind! Hatten Sie denn wirklich etwas mit der Dame?«

»Ich mit ihr?« sagte Deruga. »Sie hatte etwas mit mir. Sie quälte mich mit ihrer Verliebtheit. Übrigens irren Sie sich, wenn Sie sie als opfermütige Heldin auffassen. Sie ist zu dumm, um die Folgen ihrer Handlungen zu übersehen, und so verliebt, daß ihr jedes Mittel recht ist, um mich zu gewinnen.«

»Worin sie sich aber verrechnet?« setzte der Justizrat hinzu.

»Natürlich,« sagte Deruga scharf, »dachten Sie, ich solle sie aus Dankbarkeit heiraten?«