»Sie sind krank?« sagte sie. Das sei allerdings im höchsten Grade ungeschickt. Sie sei im Begriff abzureisen, und es sei darum gerade jetzt notwendig, daß er persönlich am Platze sei.

Er sei nicht zum Vergnügen krank, antwortete Bernburger. Die Krankheit sei wohl nicht so arg, sagte die Baronin, daß er nicht auf eine Viertelstunde ins Hotel kommen könne. Sie müsse ihn durchaus vor der Abreise sprechen.

Er bedauere, antwortete Bernburger, er läge zu Bett.

»Aber Herr Doktor, Sie sind ja am Telephon,« sagte die Baronin mit dem Lachen, von dem er wußte, wie verführerisch es klang, wenn es ihr darauf ankam.

»So komme ich in Gottes Namen,« rief er ärgerlich auf sich und sie.

»Das ist recht, Doktor,« antwortete ihre Stimme, »Sie können sich ja einen Wagen nehmen.«

»Sie sehen gar nicht krank aus, Doktor,« so empfing ihn die Baronin. »Mein Mann und ich haben uns plötzlich entschlossen nach Paris zu reisen,« fuhr sie fort, »da mich der schreckliche Prozeß, wie ich Ihnen schon sagte, so sehr angegriffen hat.«

»Die Stellungnahme Ihres Fräuleins Tochter,« sagte Dr. Bernburger mit absichtlicher Dreistigkeit, »muß sehr erschwerend für Sie sein.«

Die Baronin errötete. »Sie wissen,« sagte sie, »daß ich meine Handlungen durch das Urteil der Jugend nicht beeinflussen lasse. Meine Tochter wird uns begleiten.«

»Sie sind um den Aufenthaltswechsel sehr zu beneiden,« sagte Dr. Bernburger.