»Es schien mir allerdings nun so auszusehen,« sagte sie, »als wolle meine Freundin mich für mein Stillschweigen belohnen. Später vollends, als der Verdacht gegen Deruga aufkam, den ich teilte, wäre ich mir selbst vorgekommen wie eine Bestochene und wie eine Helfershelferin bei der abscheulichen Tat, wenn ich das Geringste von den Kostbarkeiten meiner Freundin behalten hätte.«

»Es ist Ihnen also niemals,« fragte der Vorsitzende, »die Möglichkeit des Zusammenhangs aufgetaucht, so wie sie sich jetzt dargestellt hat? Ihre Freundin hat Ihnen doch selbst einmal gesagt, wie Sie gelegentlich erwähnten, daß sie demjenigen dankbar sein würde, der ihrem Leiden ein Ende bereitete, indem er sie tötete?«

»Ich hielt das nur für eine augenblickliche Regung,« sagte Fräulein Schwertfeger. »Jetzt erst habe ich eingesehen, wie sehr sich meine Freundin im allgemeinen beherrschte, wenn ich bei ihr war. Dazu kommt, daß ich Deruga nichts Gutes, aber wohl Schlechtes zutraute. Ich habe ihm sehr unrecht getan.«

»Aber das bedachten Sie nie,« sagte Dr. Zeunemann mit mildem Vorwurf, »daß der Gerechtigkeit dadurch Abbruch geschähe, wenn Deruga seine geschiedene Frau gemordet hätte und unbestraft bliebe?«

»Ich dachte,« sagte Fräulein Schwertfeger trotzig, »ich wollte tun, was mein Gewissen mich hieße, und das übrige Gott überlassen.«

»Als Mensch,« sagte Dr. Zeunemann nach einer Pause, »kann ich Ihre Handlungsweise nicht tadeln, obwohl sie nicht als Muster für andere Fälle gelten dürfte.«

Nachdem Fräulein Schwertfeger entlassen war, kam Derugas Vernehmung. Um von den Geschworenen besser verstanden zu werden, wurde er aufgefordert, die Anklagebank zu verlassen und sich auf den für die Zeugen bestimmten Platz zu begeben.

Er sah blaß, gleichgültig, verdrossen und verschlossen aus, fast als habe er es auf eine abstoßende Wirkung abgesehen und empfinde Genugtuung darüber.

»Sie haben zugestanden,« begann der Vorsitzende ernst, »Ihre geschiedene Gattin getötet zu haben, was Sie bis jetzt leugneten. Sie reisten zu diesem Zwecke und mit dahinzielender Absicht von Prag ab?«

»Ich weiß nicht,« sagte Deruga unmutig, »warum Sie mich noch einmal mit Fragen behelligen. Sie wissen, daß meine Frau sich sehnte, von unerträglichen Leiden befreit zu werden, und daß sie sich an mich wendete, weil sie das Zutrauen zu mir hatte. Ich fühlte menschlich genug, um ihre Bitte zu erhören. Die Ärzte im allgemeinen haben den Mut zu einer so vernünftigen Tat nicht. Ich reiste sofort hin und tat es. Das sollte genügen.«