»Kleiner Mingo,« sagte er, indem er ihr zunickte, »sind Sie nun zufrieden? Sehen Sie, die Menschen sind gar nicht so böse!«
Im ersten Augenblick überwältigte sie das Glück dieser Anrede; aber als sie neben ihrer Mutter im Wagen saß und alles Erlebte wieder durchträumte, schien es, als habe der bewunderte Mann sie doch recht karg abgespeist. Mit wem mochte er seinen Triumph jetzt so recht ausgiebig feiern? War er überhaupt froh? Es hatte so viel Widerwillen und Verachtung in dem Gesicht gelegen, das doch so innig lächeln konnte. Ob er glücklicher sein würde, wenn er wüßte, wie ganz und gar sie ihm ergeben war?
»Mingo,« sagte die Baronin am Nachmittag, als sie allein miteinander waren, »ich werde jetzt Deruga aufsuchen, um zu erfahren, welches seine Absichten für die nächste Zukunft sind, und ihn bitten, daß er mich als seine Verwandte betrachtet. Dich nehme ich nicht mit, weil du sehr wenig imstande bist, deine Empfindungen zu beherrschen, und es nicht schicklich ist, wie du auch finden wirst, wenn ein Mädchen sich einem Manne anträgt.«
Mingo war nicht der Meinung. Sich diesem einzigen Manne gegenüber hinter Schicklichkeitsregeln zu verschanzen, schien ihr unwürdig, das einzig Natürliche und Richtige vielmehr, ihm zu sagen: Ich bin dein, nimm mich hin. Da sie aber wußte, daß sie ihre Mutter für diese Auffassung nicht würde gewinnen können, und da sie sich außerdem vor einer Begegnung mit Deruga ebensosehr fürchtete, wie sie sie herbeisehnte, erklärte sie sich dankbar einverstanden.
»Aber ich darf ihn doch grüßen lassen,« fragte sie. Die Baronin lächelte und küßte sie. »Geh' inzwischen mit deinem Vater spazieren,« sagte sie, »daß dir die Zeit nicht lang wird.«
XX.
Als die Baronin bei Deruga eingetreten war, der an einem Tische saß und schrieb, blieb sie einen Augenblick stehen und sagte dann: »Sie sehen nicht aus wie ein Sieger. Mir entfällt der Mut, Ihnen Glück zu wünschen.«
»Sie irren sich,« antwortete Deruga, »ich habe soeben einen Entschluß gefaßt, um dessentwillen ich zu beglückwünschen bin: Ich will den Schauplatz, der mir nicht gefällt, verlassen.«