»Das habe ich vorausgesetzt,« sagte die Baronin. »Hätten Sie nicht Lust, uns nach Paris zu begleiten?«
»Nein, ich will weiter, viel weiter fort,« sagte Deruga.
»Nun, das ist auch gut,« meinte die Baronin. »In der Ferne werden Sie die häßlichen Eindrücke, die Sie hier gehabt haben, vergessen, und wenn Sie wissen, daß Sie in dem trüben Wust einen kostbaren Schatz gewonnen haben, nämlich ein reines, warmes, treues Herz, so wird Sie das allmählich zurückziehen.«
»Ich bin nicht so verwegen, mir einzubilden, ich hätte Ihr Herz gewonnen, Frau Baronin,« sagte Deruga, gutmütig spottend, »auf das Ihre Schilderung auch wohl so ganz nicht paßt.«
»Nein, nicht so ganz,« sagte die Baronin, indem sie mit wehmütiger Koketterie den Kopf wiegte, »immerhin dachte ich an eines, das dem meinigen nah, sehr nah verwandt ist.«
»Kleiner Mingo,« sagte Deruga träumerisch, und dann rascher, zu seinem Gast gewendet: »Ach, glauben Sie denn, Baronin, ich könnte es ertragen, ein Wesen an meiner Seite zu haben, das mich immer an meinen kleinen Mingo erinnerte, den ich verloren habe? Wenn Sie das für möglich halten, so wissen Sie nicht, was Elternliebe ist.«
»O doch, ich habe es erfahren,« sagte die Baronin, indem sie langsam den verschleierten Blick auf ihn richtete.
»Ich glaube Ihnen,« sagte Deruga, »aber vielleicht können Sie sich nicht in meine Lage denken.«
»Es ist natürlich,« sagte die Baronin, »daß ich zunächst die meine und die meines Kindes empfinde. Daß eine Mutter ihre Tochter nicht gern einem um so viel älteren Manne gibt, das versteht sich doch wohl von selbst. Wenn ich trotzdem mich entschlossen habe, Ihnen von dieser Neigung zu sprechen, so geschah es, weil ihre Stärke und unschuldige Zuversicht mich rührten und mir den Glauben erweckten, es könne doch vielleicht — wie man so sagt — Gottes Wille sein. Dazu kommt freilich, daß ich mich davor fürchte, das Kind leiden zu sehen.«
»Wirkliches Leiden,« sagte Deruga, »würde ihr die Erfüllung ihres Wunsches bringen. Sie kennt mich nicht. Und auch Sie, Baronin, kennen mich offenbar nicht genügend.«