Der Erwartete glich insofern einem Mehlwurm durchaus nicht, als er rot im Gesicht mit einem bläulichen Anflug über der Nase war. Er schlenderte in der bequemen Haltung eines Menschen herein, der dem Leben zu sehr als Liebhaber gegenübersteht, um jemals Eile zu haben, sah sich gemächlich um und unterzog zuletzt den langen, grünen Tisch, vor dem er zu stehen hatte, samt allen darauf befindlichen Gegenständen einer beiläufigen Untersuchung. Der Vorsitzende vereidigte ihn und forderte ihn auf, die an ihn gerichteten Fragen nicht nur der Wahrheit gemäß, sondern auch ohne Zweideutigkeit und Weitschweifigkeit zu beantworten.

»I warum nicht,« sagte der Hausmeister, »da liegt ja gar nichts dran.«

»Wo pflegen Sie sich tagsüber aufzuhalten?« lautete die erste Frage.

»Ja,« sagte der Hausmeister lachend, »da läßt sich freilich nicht so eins, zwei, drei darauf antworten. Das ist nämlich je nachdem, was ich gerade zu tun habe. Aber wenn ich sage, daß ich entweder in einem von meinen drei Häusern bin, weil in einer Wohnung etwas zu richten ist, oder weil eine Partei mit mir dies oder das reden möchte, oder denn im Keller bei der Heizung oder im Garten, wo ich so auf und ab spaziere, so wird das schon ungefähr stimmen. In meiner eigenen Wohnung bin ich am wenigsten und habe da ja auch nichts zu tun, denn für die Familie interessiere ich mich nicht so wie für den Beruf.«

»Sind die Häuser untertags abgeschlossen?« fragte der Vorsitzende.

»Gott bewahre,« sagte der Hausmeister, »da kann jedermann aus und ein gehen, wie er will. Nichts Unrechtes kommt ja bei uns sowieso nicht vor, und für alle Fälle ist vor jeder Wohnung eine besondere Wohnungstür. Nein, von Abschließen ist bei uns keine Rede. Des Morgens um sechs schließe ich alle Türen auf, vielmehr meine Frau tut das, und abends um neun Uhr schließe ich zu, und bei der Methode haben wir uns immer gut gestanden.«

»Aber die Keller sind doch abgeschlossen?« fragte Dr. Zeunemann.

»Ja, sehen Sie, Herr Präsident,« antwortete der Hausmeister, »das läßt sich wieder nicht so eins, zwei, drei beantworten. Bei Nacht sollten sie wohl eigentlich geschlossen sein, denn am Tage ginge das ja gar nicht an, schon wegen dem Heizen, und wo die Fräuleins so oft Kohlen und Kartoffeln und dergleichen heraufholen. Das würde ja ein ewiges Auf- und Zuschließen. Es geht sowieso den ganzen Tag: 'Herr Hausmeister, ach helfen Sie mir doch!' 'Herr Hausmeister, bitte, nur einen Augenblick.' Ich sollte immer an hundert Orten zugleich sein. Nein, es ist für alle Teile am besten, wenn die Keller ein für allemal offen sind, und daran hat auch noch niemand etwas auszusetzen gehabt.«

»Sie sollen aber selbst einmal,« erinnerte der Vorsitzende, »einen Mann ertappt haben, der sich im Keller eingeschlichen hatte.«

»So,« sagte der Hausmeister nachdenkend. »Ach so, das hat wohl die Urschel erzählt?« rief er nach einer Pause belustigt aus. »Ja, vor dem brauchte niemand Angst zu haben, der sah so grün im Gesicht aus, als ob er die ganze Nacht unreife Äpfel gegessen hätte. Das war so ein Obdachloser, oder es kann ihn auch eins von den Mädels versteckt haben, denn die Jungfern haben doch alle ihre Liebhaber, wenn sie sich auch noch so zimperlich anstellen.«