VII.
Die Baronin hatte kaum am Arme ihres Mannes den Saal verlassen, als ein Gerichtsdiener ihr in den Weg trat und sie im Namen des Oberlandesgerichtsrats Zeunemann bat, ihn zu einer kurzen Unterredung in seinem Zimmer aufzusuchen. Er sei bereit, setzte der Gerichtsdiener hinzu, sie sofort hinzuführen.
»Du begleitest mich doch,« sagte sie, zu ihrem Manne hingewendet, der sich willig anschloß. Er müsse zwar gestehen, sagte er, daß er Hunger habe; aber die Herren vom Gericht wären sicher im gleichen Fall, und so würde es nicht lange dauern.
Der Oberlandesgerichtsrat, sagte sie in französischer Sprache, wäre ein ganz angenehmer Mann, etwas kleinbürgerlich eitel, aber gefällig und im Grunde, glaubte sie, ganz auf ihrer Seite.
Dr. Zeunemann hatte sich bereits umgekleidet und knabberte an einem Stückchen Schokolade zur Stärkung. »Ich würde die Herrschaften nicht in diesem Augenblick zurückgehalten haben,« sagte er, ihnen Stühle anbietend, »wenn es nicht in ihrem eigenen Interesse wäre; mein Wunsch ist, Ihnen einen Schreck oder eine unangenehme Überraschung, wenn nicht ganz zu ersparen, so doch zu mildern.«
»Einen Schreck, Herr Oberlandesgerichtsrat,« rief die Baronin aus, »jetzt, wo meine Nerven durch den gräßlichen Prozeß ohnehin erregt sind! Nein, so grausam können Sie nicht sein!«
»Ich hoffe, das Unangenehme dadurch abzuschwächen,« sagte Dr. Zeunemann, »daß ich Sie persönlich vorbereite. Ich erhielt heute früh einen Brief Ihres Fräuleins Tochter, in dem sie schreibt, sie habe aus der Zeitung von dem Prozeß erfahren. Sie sei außer sich, protestiere dagegen und verlange, daß ihr Protest veröffentlicht werde.«
»Aber das werden Sie doch nicht tun, Herr Oberlandesgerichtsrat,« rief die Baronin, der das Blut ins Gesicht stieg. »Sie mag unter der Hand protestieren, so viel sie will, aber das geht doch die Öffentlichkeit nichts an. Als ob der Prozeß nicht schon Skandal genug wäre!«
»Vielleicht ist Ihr Fräulein Tochter aus dem Grunde dagegen gewesen,« meinte Dr. Zeunemann, »daß Sie sich damit befassen?«