»Aber, lieber Oberlandesgerichtsrat,« sagte die Baronin, »Sie werden nicht erwarten, daß ich auf die törichten Einwände eines jungen Mädchens, eines Kindes, achte, wenn es sich um so wichtige Entschlüsse handelt. Würden Sie das tun?«
»Jedenfalls,« sagte Dr. Zeunemann, »würde ich an Ihrer Stelle jetzt zu verhindern suchen, daß Ihr Fräulein Tochter irgend etwas in Szene setzt. Sie scheint in großer Entrüstung und Erregung zu sein, und zwar zum Teil deshalb, weil Sie, gnädige Frau, den Prozeß in ihrem Interesse angeregt zu haben behaupten.«
»O, die Undankbarkeit der Kinder,« seufzte die Baronin. »Hätte ich all dies Entsetzliche und Skandalöse auf mich genommen, wenn ich es nicht für meine Pflicht gehalten hätte, meiner Tochter die materiellen Vorteile zu erkämpfen, die ihr gebühren? Warum sagst du gar nichts, Botho?« wendete sie sich an ihren Mann. »Ich hoffe, du wirst deine Autorität gegen Mingo in Anwendung bringen.«
»Ich werde versuchen, sie von auffallenden Schritten zurückzuhalten,« sagte der Baron. »Übrigens weißt du ja, liebes Kind, daß Mingo nicht leicht zu beeinflussen ist.«
»Sehr leicht sogar,« entgegnete die Baronin, ihre Nasenflügel dehnend, »man muß nur verstehen, ihr zu imponieren.«
»Dazu ist sie wohl zu sehr an uns gewöhnt,« entgegnete der Baron ruhig, »und zu sehr von uns verwöhnt.«
»Von dir!« berichtigte seine Frau. »Gottlob, daß sie zu weit entfernt ist, um uns wesentliche Unannehmlichkeiten zu bereiten.«
»Der Brief, den ich heute erhielt,« sagte Dr. Zeunemann, »trägt den Poststempel Ostende.«
»Ostende!« rief die Baronin, indem sie von ihrem Stuhl aufstand. »Sie ist aus England abgereist, ohne uns um Erlaubnis zu fragen! Das darfst du nicht hingehen lassen, Botho!«
»Sie hat die Absicht hierherzukommen,« fuhr Dr. Zeunemann fort.