Fünf Tage darauf war Dillon todt und fünf seiner Diener gleichfalls. Ich könnte noch viele ähnliche Thatsachen anführen. Habe ich nun recht, wenn ich die Abessinier ein edles Volk nenne? (Man sieht, wie sehr sich die Urtheile gegenüber stehen, allein dieser eine edelmüthige Zug möchte doch das lasterhafte Volk nicht rein waschen). Was man jedoch noch weniger verneinen kann, ist die äußere Schönheit der Abessinier, Beweis dessen ich hier auf gut Glück das Porträt eines Landmanns aus dem Distrikt Antitscho in Tigrié hersetze.
Die ungesunde Ebene von Hamedo lag nun hinter mir und ich passirte den Mareb in einer Furth. Zu meinem Erstaunen fand ich ein sehr klares breites Wasser, das jedoch nur einen Fuß Tiefe hatte und zwischen belaubten Abhängen, wie zwischen zwei Hecken hinfloß. Jenseit desselben stiegen wieder Berge an, auf denen der Marktflecken Gundet liegt und die gesunde Deka beginnt.
Meine nächste Station war Asmara, die gegenwärtige Residenz des Bahar[pg 206]negasch oder Beherrscher der Meeresküste. Diesen stolzen Titel führte ein einfacher Schum (Ortsvorstand), der vom Statthalter der Provinz Hamasién eingesetzt wird. Der Mann empfing mich mit vieler Freundlichkeit und schenkte meinen ausgehungerten Leuten einen Hammel, ohne etwas dagegen zu verlangen. Er war ein vollendeter Gentleman, welcher bei meiner Abreise mich merken ließ, daß es ihm an Zündhütchen fehle. Da ich leider keine bei mir hatte, schickte ich ihm nach meiner Ankunft in Massaua eine größere Partie. Asmara ist keineswegs die Hauptstadt von Hamasién; als solche galt in alter Zeit Debaroa und heute Tzazega, wo der Detschas Hailu, ein Liebling Theodor’s II., residirte. Der Ort liegt malerisch zerstreut auf einem Hügel und zählt etwa 2000 Einwohner, die etwas Handel und namentlich Maulthierzucht treiben.
Das Gebiet des Nils lag schon hinter mir und ich befand mich hier in demjenigen des Anseba, der durch den Barka seine Wasser dem Rothen Meere zusendet. Bald war auch die Grenze Abessiniens erreicht und die Terrassen lagen vor mir, die sich nach der kahlen, brennend heißen Samhara hinabsenken. Erst jetzt fühlte mein Herz eine Erleichterung; das Damoklesschwert hing nicht mehr über meinem Haupte, ich war der Gewalt Theodor’s gänzlich entrückt.
Schnell war auch das Küstenland durchzogen, und in Massaua begrüßten mich nach langer Irrfahrt zuerst wieder die Spuren europäischer Civilisation.
Ansicht des Gemp in Gondar. Nach Rüppell.