Die Bazen und die Barea unterscheiden sich im Temperament; die ersteren sind ruhig, gesetzt und reden leise; die letzteren sind lebhaft lärmend, schnell aufbrausend. Die Eheverhältnisse bei den Bazen scheinen sehr lose zu sein, während [pg 223]die Bareafrauen wegen ihrer Treue auch im Auslande berühmt sind. Beide Völker sind zu Hause sehr friedfertig, während mit dem Auslande ein ewiger Krieg geführt wird. Barea und Bazen stehen nicht in völkerrechtlicher Verbindung und heirathen selten untereinander.

Die Bazen müssen ein sehr zahlreiches Volk sein. Ihre Hauptsitze ziehen sich den großen Strömen Mareb und Takazzié nach; ersterer heißt bei ihnen Sona, letzterer Dika. Alle treiben Ackerbau mit dem Pflug und nur theilweise Viehzucht. Ihre Waffe ist die Lanze. Als Typus kann der Zither spielende „Schangalla“ vom Mareb nach Zander’s Zeichnung angesehen werden ([S. 89]).

Die Wohnsitze der Barea liegen im Norden der Bazen. Die Thäler, welche sie bewohnen, gehören schon dem Hochlande des Barka an, wie ihre Wasser und ihre Vegetation; die sie begleitenden Berge sind die letzten Ausläufer des Hochlandes der Bazen und werden zur Weide benutzt, Fieber sind häufig und die Regen fallen dort meist in der Nacht.

So sind die Völker beschaffen, welche die nördlichen Vorlande Abessiniens bewohnen. Aber auch im Süden, zwischen Amhara und Schoa und wieder über Schoa hinaus, treffen wir auf ein eigenes höchst interessantes Volk, das der Galla. Mit ihm werden wir uns im folgenden Abschnitte beschäftigen, der uns das Königreich Schoa vorführt, welches von Amhara sich seit langem unabhängig zu machen wünscht und nur zeitweilig mit ihm zusammenfiel; schon daß der Herrscher daselbst den Titel „Negus“ führt, deutet darauf hin, daß wir es hier mit einem besonderen Staate zu thun haben.


[pg 224]

Dullul an der Bucht von Tadschurra. Nach M. Bernatz.