Im Kaiserreich China befindet sich eine seltsame Bahnhofsuhr. Sobald sie zwölf zu schlagen anfängt, springt aus dem Zifferblatt eine flache Kachel, gemustert wie ein persischer Teppich, und darauf steht ein weißer Porzellan-Elefant. Wenn du dich auf den Elefanten setzt, trägt er dich so schnell im Kreise um die große Uhr herum, daß du die Besinnung zu verlieren glaubst; bis er auf einmal stehen bleibt und dich in einer Meergrotte absetzt. Nach dem ersten Erstaunen erkennst du, daß du im Schlafzimmer Neptuns bist, des Gottes der Ertrunkenen — und der Betrunkenen. Denn wenn du die Gardine zurückschlägst, stehst du einem unübersehbaren Büffett gegenüber, in dem Karaffe neben Karaffe glänzt, und jede Karaffe enthält einen Likör, worin der tolle Gott die Träume jeder ertrunkenen Seele aufbewahrt. Davon mußt du natürlich mal kosten; und in dem Augenblick, wo du den ersten Tropfen schmeckst, kommst du wieder zur Besinnung, und die Uhr tut den letzten der zwölf Schläge.

Nur die Ursel hatte dagegen gestimmt und bei dem Wort „Betrunkenen“ pfui gerufen; wofür ihr der Peter Heinz einen Puff versetzte, wofür ihm der Onkel Ri das Punschglas entzog. „Jetzt wollen wir aber,“ fuhr der Onkel fort, der bis dahin auch noch nichts fertig gebracht hatte oder vielleicht auch blos so tat, „die Sache ein bißchen schwerer machen. Jedes der aufgegebenen Wörter darf nur Einmal gebraucht werden; dafür darf aber jeder drei Wörter aufgeben, und die Frist dauert fünfzehn Minuten.“ Dabei plinkte er der Ursel zu, sodaß sie guten Mut faßte. Es kamen folgende Wörter ins Spiel: Schehresade, Karamelle, Zitadelle, Abenteurer, Prophet, Gazelle, Winternacht, Sommermittag, Paradies, Wüstensand, Palast, Feuer, Braut, Lied, Quelle — aber die Ursel wurde wieder nicht fertig. Doch diesmal machte sie sich nichts draus, denn Onkel Ri hatte jetzt in Versen gedichtet, da konnte natürlich kein Andrer siegen; und wenn der Onkel oder die Tante den Sternpreis bekamen, dann würden sie ihn nachher doch ihr schenken. Nun las er vor: „Morgenländisches Preislied“ — und indem er die Tante sonderbar ansah, schob er erst noch die Bemerkung ein, daß ihm am heutigen Abend ein Hymnus auf die orientalische Phantasie sehr angebracht scheine, weil ja das Weihnachtsfest und die Neujahrsfeier aus dem Morgenland zu uns gekommen seien. Hierauf deklamierte er:

O Schehresade, Fee der Nacht,

in der die Wunderschelle klingt,

o Fee, welch Lied ist hold genug,

die hohe Wonne anzustimmen,

die uns zu deiner Schwelle zwingt —

so hold, wie durch den Palmenhain

im Frühling die Gazelle springt,

so hold, wie aus dem Wüstensand