Du fürchtest wohl, du lernst mich zu gut verstehen? — (Das Glas hinsetzend, ohne getrunken zu haben) Soll ich dich lieber nicht weiter fragen?

Justus

(lächelnd)

Ich fürchte, du wirst es nicht lassen können.

Christian

Sehr wahr! Du fängst wirklich an zu verstehen! — Also gesetzt, du fändest irgend ein Schriftstück, das mein Verbrechen unwiderleglich bewiese — zum Beispiel ein Tagebuch von mir, das ich damals geschrieben hätte — in das ich alles verzeichnet hätte, was mich zu der Untat verführte — in dem ich mir Rechenschaft ablegte, über meine Gedanken und Gefühle, vor der Tat und nach der Tat — wie ich mit meinem Gewissen kämpfte, jahraus jahrein, von W-Woche zu Woche — wie ich mich prüfte und mich quälte mit meiner scha-hauderhaft klaren Vernunft — wie ich l-langsam die Feigheit überwand, die in unsern sittlichen Grundsätzen nistet — wie ich in allen Gründen und Abgründen meiner Seele herumstocherte, um die Gewürme der Angst und Reue, des E-Ekels und Dünkels zu zerquetschen — (er hat sich krampfig ans Herz gegriffen) —: würdest du jetzt noch w-willens sein, mich auf Grund eines solchen Bekenntnisses öffentlich zu brandmarken? —

Justus

Aber lieber Christian, nimm’s nicht übel, verzeih mir meine Offenheit: das sind ja leere Hirngespinnste. Solch Tagebuch ist doch nicht vorhanden, also kann ich es auch nicht finden, also auch zu der Frage nicht Stellung nehmen.

Christian