Du meinst, weil du’s nicht gefunden hast bei deiner amtlichen Haussuchung hier? (Lächelnd) Hast wohl gründlichst an den Wänden geklopft? zum Beispiel (nach dem Porträt weisend) hinter dem Erbstück da! — Nun, vielleicht gibt es doch Verstecke, die selbst einem Detektivoffizier ein Buch mit sieben Siegeln sind.

Justus

(lachend)

Da kann ich dich gründlichst beruhigen! In der alten Bude, die wir von Kindheit an kennen, ist mir kein Blättchen verborgen geblieben, geschweige ein ganzes Tagebuch.

Christian

Nun, die Mühe hättest du sparen können. Es wäre doch gar zu gewöhnlich gewesen, ein solches Beweisstück hier aufzubewahren, wo jeder Schnüffler es finden konnte; für einen so harmlosen Bösewicht wirst du mich jetzt wohl nicht mehr halten. Aber gesetzt, ich hätte es anderswo, an ganz sicherer Stelle, hinterlegt, unter unantastbarem Siegel — zum Beispiel bei irgend einem Notar, oder in der Stahlkammer einer Bank, etwa als Anhang zu meinem T-Testament, das erst nach meinem seligen Tod gerichtlich geöffnet werden darf —: gesetzt, ich hätte meine Erben, zum Beispiel einen gewissen Justus, oder vielleicht auch die alte Anne, mit der Erlaubnis betrauen wollen, die Menschheit darüber aufzuklären, welch Scheusal dieser M-Menschenfreund war — mit welcher kaltblütigen Hihihi-Hinterlist er ein gebrechliches Weib umgarnte, wie er ihre Krankheit mit langsamen Reizmitteln nährte, ihren zügellos gewordenen Jähzorn bis zur Selbstzerrüttung aufpäppelte — wie er ihr schließlich seinen M-Mordplan enthüllte, daß sie vor ohn-m-m-mächtiger Wut

Justus

(brüsk aufstehend und sich reckend)

Genug! jetzt hab ich genug gehört! — Ich bedauere meine Gutgläubigkeit, ich speie auf deinen frechen Hohn. Du denkst, du bist jetzt sicher vor mir; du wirst dich irren, du kennst mich noch nicht! Ich werde nicht ruhen, bis du entlarvt bist; keinen Schritt mehr sollst du im Leben tun, hinter dem du nicht meine Augen spürst! Bei Tag und Nacht, ich werde dir nah sein: dein Doppelgänger, dein Alb, dein Gespenst —