Das Leuchten wird immer feuriger; ich atme entzückt die zarte Glut. Ich höre von oben her singende Stimmen, zweistimmig aus unsichtbarer Ferne. Sind’s wieder die Seelen der Geistinnen beide? erwarten sie mich auf den strahlenden Monden? Sie singen mich weiter und weiter hinauf: Ins Weite, Seele — von wannen dein Träumen! — erwache ins Freie — von Zeiten, von Räumen! — sie nahen mir. Sie nahen wie schüchterne Lüfte so lind; sie küssen mir meine entbreiteten Hände. In meinen Handflächen ruhn ihre Lippen, mein Herzblut strömt ihren Küssen zu. Sie küssen immer herzinniger, und andere Geistinnen singen von oben. Wollen Sie mir mein Leben ausküssen? „befreie dich, Seele“, singen sie. Leben sie nur, wenn Ich sie belebe? „erwache, Seele“, verklingen sie. Ich raffe all meine Herzkraft zusammen; ein leeres Grausen stöhnt aus mir auf. Ich will mich den tötlichen Küssen entwinden; wie ein Gekreuzigter schwebe ich machtlos. Ich krümme mit letzter Gewalt meine Finger, und während ein herzzerreißender Klageschrei mir die glanzgebadeten Augen aufreißt, höre ich, daß es mein eigener Schrei ist, von dem ich unter Tränen erwacht bin.
Ich lag wirklich wie ein Gekreuzigter da, mit ausgebreiteten Armen im Dunkeln, die Handflächen über den Bettrand gestreckt, rechts und links in die schwarze Luft. Ich schob meine halb erstarrten Glieder langsam in eine andere Lage und machte die Augen wieder zu; die ruhige Finsternis tat mir wohl nach der tollen Seelenfeuersbrunst. Ich nahm mir vor: wenn ich wieder so träumte, sofort an meinen Körper zu denken.
Befreie dich, Seele,
von Zeiten, von Räumen,
erwache ins Weite,
von wannen dein Träumen;
von wannen, von wannen? —
Von Räumen, von Zeiten,
die ewig bleiben,
erwache, Seele,