„Großmutter!“ betonte er.

„Nein!“ stampfte das Beinchen.

„Na, dann bleib nur hier“ — er nahm sacht ihre Händchen und strich langsam jeden Finger gerade. „Dann wird Vater ganz allein die große schwarze Juno bellen hören — wau-wau-wau“ — er fixierte sie — „und die bunten Tuckehühnchen spielen sehen“ — er ließ die Händchen plötzlich frei — „tuck-tuck-tuck, ücke-rü-üh! — Und —“

„Große Muhkuh! Detta doch mit!“ hob sie hüpfend die Ärmchen aus einander. „Tuck-tuck-tuck, sehr lieb“ — jubilierte sie und umschlang die Kniee der Mutter.

Die nickte ihm zu, verständniswillig. Blos: schon wieder dies unbewußte Mundwinkelzucken! —

*

Der schwerfällige Post-Omnibus rumpelte aber wirklich etwas sehr vorsintflutlich. Und die holprige Landstraße hätte auch wohl längst eine neue Schüttung vertragen können. So konnte man ja seekrank werden auf den zersessenen Sprungfedern.

Er reckte sich und wollte den Hut aus der Stirn schieben. Aber die heiße Vormittagssonne stach grad an dem schlafenden Kutscher vorbei prall in den offenen Vordersitz; das Braunrot des verschossenen Polsterplüsches schweelte schon beinah wie versengt. „Schweiß und Staub — Schweiß und Staub“ — hörte er die beiden Gäule ihren gewohnten Klappertrab traben. Die jungen Rüstern an der sandigen Straßenkante sahen aus, als bedürften sie vor Hitze selbst des Schattens.

„Hater“ — und sinnend zeigte die Kleine auf den nickenden Fuhrmann vor sich — „ßpielt die Feitße mit dem Wind?“ Die Peitsche wippte in der Hand des Schlafenden im Takt der Gäule hin und her; die Zügel in der andern Hand mußten wohl die Bewegung vermitteln.

„Nein, mein Kind, der Wind ist weggegangen von der Peitsche.“