Eines Tages, als ich nach einem Spaziergange durch die Straßen Bostons nach Dr. Leetes Haus zurückgekehrt war und den Hausflur betreten hatte, hörte ich aus einem anstoßenden Zimmer, dessen Thür offen stand, eine in sehr lautem Tone geführte Unterhaltung. Schon die ersten Worte fesselten unwillkürlich meine Aufmerksamkeit. Sie wurden von einer tiefen, vor Erregung zitternden Stimme gesprochen und lauteten:
„Fräulein Edith hat mich zur Fortsetzung meiner Besuche ermutigt.“
„Wir alle sind immer erfreut, Sie bei uns zu sehen, Herr Fest,“ antwortete Dr. Leete. „Wir alle haben Sie eingeladen, Ihre Besuche zu wiederholen.“
„Allerdings haben Sie das gethan; aber Sie verstehen wohl, was ich meine,“ fuhr die Stimme fort. „Ich bin so oft in Ihr Haus gekommen und habe heut Fräulein Edith gefragt, ob sie mein Weib werden will, weil Ihre Tochter meine Hoffnung, ihre Liebe zu gewinnen, ermutigt hat. Jetzt aber wird mir in kühler Weise eröffnet, daß ich mich irrigen Hoffnungen hingegeben habe und ich sehe meinen Verdacht bestätigt, daß der Bostoner des neunzehnten Jahrhunderts, den Sie aus einem Keller in Ihrem Garten ausgraben ließen, der Mann ist, den Fräulein Edith allen andern vorzieht — selbst demjenigen, den sie bis vor einigen Tagen ermutigte.“
„Herr Fest, ich wünsche, daß Sie die Bildung und Gesittung des zwanzigsten Jahrhunderts mit mehr Anstand vertreten, wenn Sie von meiner Tochter und von meinem Gaste sprechen,“ sagte Dr. Leete etwas erregt.
„Natürlich muß ich vor allen Dingen den Anstand bewahren, nachdem ich durch herzlose Koketterie ein Jahr lang genarrt worden bin und nun die Entdeckung mache, daß das Mädchen, welches ich liebe, mir ein 143 Jahr altes Menschenkind vorzieht,“ sagte Fest bitter und höhnisch.
„Wie können Sie nur so beleidigende, unwahre Reden führen!“ rief Edith in zorniger Aufregung. „Niemals während unserer zehnjährigen Freundschaft ist mir der Gedanke gekommen, daß Sie andere Gefühle für mich hegen, als die eines Bruders.“
„Es ist an der Zeit, dieser Unterredung ein Ende zu machen,“ [erklärte] jetzt Dr. Leete. „Nach den stattgehabten Erklärungen wird Herrn Fest ohne Zweifel sein Gefühl sagen, daß die bisherigen Beziehungen nicht fortgesetzt werden können.“
„Natürlich können unsere Beziehungen nicht fortgesetzt werden,“ schrie Fest im höchsten Zorne. „Ich verlasse Sie jetzt und erkläre Ihnen hiermit, daß ich Ihr Haus nicht wieder in freundlicher Absicht betreten werde. Sollte ich je zurückkehren, so werde ich als Feind kommen, um Rache zu suchen für die Zerstörung meines Lebensglückes und Herzensfriedens. Hüten Sie sich vor jenem Tage!“