Worauf Dr. Leete antwortete:
„Wenn es ihnen gefällt. Sie haben nicht mehr Grund als die sie liebenden Männer ihre Gefühle zu verbergen.“[ [25] ]
Ja freilich! Wenn die Mädchen ihre Liebe ebenso erklären, wie die Männer das thun, dann muß freilich die feine Scheidelinie zwischen den beiden Geschlechtern verwischt werden.
Ein Gefühl der Unruhe, ja des Widerwillens überkam mich.
„Vielleicht wäre es doch zweckmäßig, Herrn Fest wenigstens auf einige Monate unter ärztliche Behandlung zu stellen,“ sagte Dr. Leete nachdenklich. „Er befindet sich ohne Zweifel in einer hochgradigen Aufregung und es ist nicht unmöglich, daß er eine unüberlegte Handlung begeht, welche er später bereuen würde.“
„Vor hundert und dreizehn Jahren würden wir solch einen Menschen einfach unter Friedensbürgschaft gestellt haben,“ sagte ich, da mir der Gedanke Entsetzen einflößte, daß ein Mann lediglich deshalb in ein Tollhaus gesperrt werden sollte, weil er im Zorne einige Drohungen ausgestoßen hatte.
„Was thaten Sie aber mit einem Manne, der trotz seiner Bürgschaft den Frieden brach?“ fragte der Doktor.
„Wir bestraften ihn nach den Gesetzen, welche auf den Fall Bezug hatten; entweder mit einer Geldstrafe, mit Gefängnishaft, oder, im Falle eines Mordes, mit Tötung.“
„Wir bringen einen Mann, in welchem der Atavismus zum Durchbruch kommt, in ein Hospital, wo tüchtige Ärzte ihn so lange in Behandlung nehmen, bis sie ihn für genügend hergestellt erachten und seine Entlassung verfügen,“ sagte Dr. Leete mit dem Ausdruck großer Selbstzufriedenheit und Güte, während er eine frische Havannacigarre anzündete.
„Ich glaube nicht, daß du viel wagst, Papa,“ sagte Edith, „wenn du dem Manne erlaubst, seiner Berufsthätigkeit nachzugehen. Er braust schnell auf; aber er wird sich auch bald wieder beruhigen.“