„Das scheint mir unbestreitbar zu sein,“ antwortete ich.
Forest zog nun ein Blatt Papier aus der Tasche und rechnete weiter: „Hier ist ein Verzeichnis aller derjenigen Berufszweige, welche ich dem Census von 1880 entnommen habe und welche Sie als unproduktiv bezeichnen können. Ich habe manche Thätigkeiten als unproduktiv angeführt, über deren Nützlichkeit und selbst Notwendigkeit sich streiten ließe. Viele dieser Leute haben durch ihre Arbeit zum mindesten solchen Menschen Zeit gespart, welche Werte hervorbrachten. Manche Frauen hätten sich vielleicht nicht als Künstlerinnen, Sängerinnen oder dergleichen ausbilden lassen und später in ihrem Berufe wirken können, wenn sie nicht Hilfe im Haushalte gefunden hätten. Diese Dienstboten eingeschlossen, waren aber im Jahre des Herrn 1880 in den Ver. Staaten 1 654 319 Menschen mit Arbeiten beschäftigt, welche Dr. Leete als unproduktiv bezeichnen würde. Wenn wir diese 1 654 319 Menschen von den 2 173 084 Leuten abziehen, welche Sie über die Zahl der im dienstpflichtigen Alter befindlichen Personen hinaus dem Arbeiterheere eingereiht hatten, so stellten Sie immer noch 518 765 mehr Leute, als 1880 in den Ver. Staaten im Alter zwischen 21 und 45 Jahren lebten.“
Ich ermunterte Herrn Forest, in seinen Auseinandersetzungen fortzufahren und er sagte: „Sie hatten also im Jahre 1880 unzweifelhaft viel mehr Leute in nutzbringender Thätigkeit beschäftigt (im Verhältnis zu Ihrer Bevölkerungszahl natürlich) als wir. Nun bedenken Sie noch, daß die Arbeiter Ihrer Tage sämtlich durch den Wettbewerb angespornt wurden, daß sie danach strebten, einmal unabhängig zu werden, um ein sorgenfreies Alter genießen zu können und daß sie zur Erreichung dieses Zieles ihre besten Kräfte einsetzten. Ihre Zeitgenossen arbeiteten also mehrere Jahre länger als wir, die tägliche Arbeitszeit war eine längere, der Sporn des Wettbewerbes wirkte mächtig auf alle ein und so war es denn nur natürlich, daß zu Ihrer Zeit verhältnismäßig viel mehr und viel bessere Arbeit geliefert wurde, als heutzutage.“
„Das werde ich wohl zugeben müssen,“ sagte ich.
„Und die Art unserer Gesellschaftsordnung drängt immer mehr darauf hin, daß die Arbeitszeit noch weiter verkürzt werde und daß die Arbeitsergebnisse noch geringer und schlechter werden, als sie schon sind,“ setzte Forest seine Darlegung fort. „Da sind z. B. die Bauern, welche mit der jetzigen Gesellschaftsordnung so unzufrieden wie möglich zu sein scheinen. Sie beklagen sich bitter darüber, daß sie in Bezug auf die Anlage von Theatern, Museen, Konzerthallen und anderen öffentlichen Anstalten gegen die Bewohner der Städte zurückgesetzt werden. Auch behaupten unsere Bauern, daß ihre Arbeit viel schwerer sei, als die der Städter. Die Folge der Unzufriedenheit war ein Andrang der Landbevölkerung nach den Städten, der viel größer ist, als der, über welchen schon zu Ihrer Zeit geklagt wurde. Das Land würde sehr bald an allen Ackerbauerzeugnissen Mangel gelitten haben, wenn die Regierung dem Andrange des Landvolks nach den Städten nicht Einhalt gethan hätte. Aber man hieß die Ankömmlinge nicht willkommen. Es wurde ihnen einfach befohlen, Landarbeit zu thun. Damit war ihrem Wunsche, in der Stadt zu leben, ein Ende gemacht; aber auch ihrem Ehrgeiz und ihrem Arbeitstriebe. Die Landleute sind jetzt davon überzeugt, daß ihnen andere Stellungen verschlossen sind, daß sie Zeit ihres Lebens die Acker bauen müssen und daß die Städter auf ihre Kosten ein besseres Leben führen. Die Folge ist, daß sie so wenig und schlecht wie möglich arbeiten und daß die Ackerbauerzeugnisse immer weniger werden. Schon wiederholt haben Leute aus der zweiten Abteilung des dritten Grades der städtischen Zünfte als Hilfsarbeiter auf das Land geschickt werden müssen, um eine Hungersnot abzuwenden.“
„Teilen Sie mir das Schlimmste mit,“ sagte ich mit einem erzwungenen Lächeln; denn ich sah das herrliche Luftschloß, welches Dr. Leete vor mir errichtet hatte, unter dem Artilleriefeuer der Forestschen Logik zusammenstürzen. „Wir haben gesehen,“ nahm Forest den Faden seiner Auseinandersetzungen wieder auf, „daß das Arbeiterheer im Jahre 1880 verhältnismäßig viel stärker war, als das unsrige ist, daß die Arbeitszeit eine längere war, und daß die Arbeiter durch den Wettbewerb angeregt wären, ihre ganze Leistungsfähigkeit zu entwickeln. Sie müssen aber auch berücksichtigen, daß wir eine ungeheure Arbeitskraft mit der Aufsicht und mit der Buchhalterei vergeuden. Ihr Kleinhandel wurde größtenteils gegen Barzahlung betrieben und die kleinen Geschäftsleute besorgten ihre geringe Buchhalterei abends nach Schließung ihrer Läden. Wir dagegen haben für jeden Mann, für jede Frau und für jedes Kind ein „Soll und Haben“ in den Büchern der Regierung eingerichtet[ [32] ]. Wir haben eine Kanzlei, wo „die Ärzte über ihre Thätigkeit regelmäßig Bericht zu erstatten“ haben.[ [33] ] Wir haben eine andere Kanzlei, wo Buch geführt wird über die Hilfe, welche jemand von der Arbeiterarmee in Anspruch nimmt; sei es für Hausarbeit oder für andere Zwecke. Dort wird das Konto desjenigen belastet, welcher die Hilfe in Anspruch nimmt und das Konto desjenigen wird kreditiert, der die Hilfe leistet.[ [34] ] Wir haben Kanzleien für jeden Zweig der menschlichen Arbeit und dieselben dürfen als Musteranstalten für die beste Art gelten, in welcher eine Regierung menschliche Arbeitskraft vergeuden kann. Das ganze Feld der produzierenden Arbeit ist, wie Sie wissen, in zehn große Abteilungen abgegrenzt worden. Jede dieser letzteren umfaßt eine Gruppe verwandter Thätigkeitszweige. Jede dieser Unterabteilungen hat wiederum ihre eigne Kanzlei und diese Kanzlei führt genau Buch über alles was in der betreffenden Zunft geschieht, über vorhandene Betriebsmittel, die geleistete Arbeit und so weiter, sowie über die jetzige Leistungsfähigkeit und über die Möglichkeit, letztere zu erhöhen. Eine besondere Abteilung, welche den Warenversandt besorgt, ermittelt auch den mutmaßlichen Verbrauch und nachdem diese Ermittelungen von der Regierung gut geheißen worden sind, erhält jede der zehn großen Abteilungen ihre Arbeit zugeteilt, diese zehn Abteilungen vergeben die Arbeit an die einzelnen Zünfte und diese setzen ihre Leute in Thätigkeit.“
„Jedes Betriebsamt ist für die ihm zuerteilte Arbeit verantwortlich und seine Thätigkeit wird durch die betreffende Berufsgenossenschaft und die Generalverwaltung kontrolliert.“
„Das ‚Verteilungsamt nimmt keine Warenlieferung an, ohne sich selbst von der Beschaffenheit derselben überzeugt zu haben‘, und so genau ist die Durchführung, daß ein Gegenstand, der sich in den Händen des Verbrauchers als unbefriedigend erweist, „bis zu demjenigen Arbeiter zurückverfolgt werden, welcher mit der Herstellung des speziellen Stückes betraut gewesen war.“[ [35] ]
„Diese ungeheure Buchhalterei und Aufseherei, welche die Regierung in den Stand setzt, die Arbeiter zu ermitteln, welche eine schadhafte Nadel oder eine schlechte Cigarre gemacht haben, ermöglicht es ihr auch, für ihre Günstlinge zahllose gute Stellungen offen zu halten; aber die Produktionskraft des Volkes und die Menge der erzeugten Werte werden natürlich dementsprechend vermindert. Dazu kommt, daß die Zahl der Verbraucher größer ist als früher.“
„Wie erklären Sie das?“ fragte ich.