„Ich bin sehr gespannt auf Ihre Erklärung,“ bemerkte ich. „Dr. Leete hat so viele annehmbare Gründe gegeben für die „Armut, welche die Folge unseres absonderlichen Wirtsschaftssystems war,“[ [29] ] daß ich von dem größeren Reichtum Ihres Volkes ganz überzeugt wurde. Er erwähnte die häufigen „verfehlten Unternehmungen“ im neunzehnten Jahrhundert, den „Verlust durch Konkurrenz“, die „periodische Überproduktion“ von Werten aller Art, mit darauffolgenden Arbeitsstockungen, den Verlust, „den die Nichtbeschäftigung von Kapital und von Arbeitskraft zu allen Zeiten verursacht“[ [30] ] und er hob besonders hervor, daß von fünf Unternehmungen im neunzehnten Jahrhundert vier fehlschlugen, „ehe eine erfolgreiche kam.“[ [31] ]
„Ja! Ich kenne die Ansichten und Gründe, welche Dr. Leete geltend macht, aus seinen gelegentlichen Reden, sowie aus den Aufsätzen, die er zuweilen für Regierungszeitungen liefert,“ entgegnete Forest. „Und er hat unzweifelhaft noch andere Ursachen geltend gemacht, welche die Arbeit Ihrer Zeit schädigten. Wahrscheinlich hat er Sie auch aufmerksam gemacht auf die Kosten, welche das Heer und die Flotte veranlaßten, sowie die Zoll- und Steuerbeamten, die Steuereinschätzer und Einnehmer, die vielen Richter und andere Beamte, welche Sie brauchten. Er wird auf die viele Arbeit verwiesen haben, welche das Waschen und Kochen in den einzelnen Haushaltungen verursachte, sowie auf die große Anzahl von Zwischenhändlern, welche die Waren durch ihre Hände gehen ließen, ehe die Arbeitserzeugnisse von den Arbeitern zu denjenigen gelangten, welche sie gebrauchten. Und Dr. Leete wird auch die Rechtsanwälte, Bankiers, sowie deren Gehilfen erwähnt haben, welche zwar in ihrer Art arbeiteten, aber keine Werte hervorbrachten. Alle die Arbeitskräfte, welche in jenen Berufszweigen beschäftigt waren, sind jetzt dem Arbeiterheere einverleibt worden.“
„In der That,“ sagte ich, „Dr. Leete hat die meisten Ursachen für die Armut unseres Zeitalters, welche Sie da namhaft machten, mir aufgezählt. Und da jene Übel jetzt wegfallen, erscheint es mir ganz natürlich, daß unter Ihrem Arbeitssystem das durchschnittliche Jahreseinkommen des Volkes ein größeres sein muß, und es wundert mich nur, daß die Zunahme des Wohlstandes nicht noch größer ist.“
„Ich werde keine Zeit damit verschwenden,“ begann Forest wieder, „eine eingehende Untersuchung darüber anzustellen, wie groß der Verlust war, welcher aus all’ jenen Ursachen für die Arbeit des neunzehnten Jahrhunderts entstand. Es scheint mir aber, daß Sie die Wirkung derselben überschätzen. Unglückliche Spekulationen schädigten beispielsweise allerdings die Unternehmer, aber in den meisten Fällen erzeugten sie doch Werte, welche den Volksreichtum vermehrten und schließlich anderen zu gute kamen. Der „wahnsinnige Wettbewerb“ dagegen machte die Waren billiger, vermehrte dadurch deren Verbrauch und dadurch wieder deren Herstellung und gereichte somit der Menschheit doch auch wieder zum Nutzen. Die Behauptung, daß vier Unternehmungen im neunzehnten Jahrhundert fehlschlugen, ehe eine Erfolg hatte, ist eine jener Angaben des Dr. Leete, welche der vereinte Glaube von zehn der stärksten Männer nicht verdauen könnte. Sie müssen selbst am besten beurteilen können, daß das eine unsinnige Übertreibung ist.“
„Die Ersparnisse, welche aus dem gemeinschaftlichen Kochen entstehen, haben wir bereits untersucht,“ fuhr Forest fort. „Wenn in der That ein Vorteil daraus entsteht, so ist er in den Städten gering, auf dem Lande noch geringer und keinenfalls bietet er Entschädigung für den Verlust an häuslichem Behagen, welcher daraus entsteht. Ferner müssen wir berücksichtigen, daß viele Richter, Rechtsanwälte, Bankiers, Beamte und Zwischenhändler, sowie deren Gehilfen Männer waren, welche das einundzwanzigste Lebensjahr noch nicht erreicht, oder das fünfundvierzigste Lebensjahr bereits zurückgelegt hatten. Diese Leute, welche außerhalb des Dienstalters des Arbeiterheeres standen, sind also abzurechnen von denjenigen, deren unproduktive Thätigkeit als ein Verlust angesehen werden muß.“
„Dennoch müssen die Verluste, welche aus schlecht angelegtem Kapital und schlecht geleisteter Arbeit, sowie aus vielen andern Ursachen entstanden, ganz ungeheuer gewesen sein,“ sagte ich. „Und diese Verluste machen die große Armut des Volkes am Ende des vorigen Jahrhunderts sehr erklärlich.“
„Unzweifelhaft würde dem so sein,“ meinte Forest, „wenn nicht andere Ursachen für eine Abnahme unserer Leistungsfähigkeit wirksam wären. Aber solcher Ursachen giebt es mehrere und Sie werden deren Tragweite wohl erkennen, wenn ich Sie darauf aufmerksam mache. Die Hauptursache, welche den beständigen Rückgang in der Menge, wie in der Güte unserer Arbeitserzeugnisse verschuldet, liegt in der Beseitigung des Wettbewerbes. Diese Riesenkraft war es, welche während der ersten neunzehn Jahrhunderte christlicher Civilisation jedermann antrieb, seine besten Geistes- und Körperkräfte einzusetzen. Seit aber der Kommunismus eingeführt worden ist, seitdem der faulste Arbeiter ebenso viel erhält, wie der fleißigste, d. h. seitdem der Fleißige zu Gunsten des Faulen um einen Teil seiner Arbeitsergebnisse beraubt wird, seitdem jedermann sicher ist, einen gleichen Anteil von den Arbeitsergebnissen zu erhalten, gleichviel ob er viele und gute, oder wenige und schlechte Arbeit geliefert hat, — seitdem werden die Massen des Volks von Jahr zu Jahr gleichgültiger und träger. Sie setzen nicht mehr ihre besten Kräfte ein, um gute und viele Arbeit zu liefern. Sie machen sich das Leben bequem. Die geistigen wie die körperlichen Fähigkeiten sind in beständiger Abnahme begriffen. Das Volk der Ver. Staaten, einst berühmt wegen seiner Findigkeit und Thatkraft, entartet. Die Beförderung der Tüchtigsten hätte vielleicht als Sporn dienen können, hätte nicht die Günstlingswirtschaft der Politiker alle guten Stellungen für die Verwandten jener Wahlzutreiber in Anspruch genommen, welche die Helfershelfer der Regierung sind.“
„Ein anderer Grund für die Abnahme des Volkswohlstandes ist die Verkürzung der Arbeitszeit, sowohl der Jahre, wie der täglichen Arbeitsstunden. Es ist sehr schwierig festzustellen, wie viele Menschen beiderlei Geschlechts in den verschiedenen Lebensaltern zu Ihrer Zeit in nutzbringender Thätigkeit beschäftigt waren. Die letzte Volkszählung, welche in den Ver. Staaten veranstaltet wurde, ehe Sie in Ihren hundertjährigen Schlaf fielen, fand im Jahre 1880 statt. Der Bericht ist ein sehr ausführlicher sowohl in Bezug auf die Zahl der Leute verschiedenen Lebensalters, sowie auch in Hinsicht auf ihre Abstammung u. s. w. Aber in Bezug auf das Alter der Arbeiter giebt der Bericht nur drei Abteilungen. Die erste umfaßt alle Leute unter 15 Jahre, die zweite alle Menschen zwischen 16 und 59 und die dritte alle Arbeiter über 60 Jahre. Von Mädchen Und Knaben unter 15 Jahren wurden 1 118 356 beschäftigt; im Alter von mehr als 60 Jahren 1 004 517 Leute, von welchen 70 873 Frauen waren. Von 50 155 783 Bewohnern der Ver. Staaten gehörten nicht weniger als 17 392 099 dem Arbeiterheere an, wovon 2 647 157 weiblichen Geschlechts waren, die Dienstmädchen eingerechnet.“
„Ich erinnere mich, diese Zahlen gelesen zu haben,“ bemerkte ich.
„Der Census von 1880 zeigt also, daß über 12 Prozent der Bevölkerung in den Ver. Staaten, welche zur Arbeiterarmee gehörten, unter 15 oder über 60 Jahre alt waren,“ rechnete Forest weiter. „Das ist allerdings ein recht trübseliger Ausweis. Mädchen und Knaben unter 15 Jahren sollten noch Schulen besuchen und Leute, welche das sechzigste Lebensjahr zurückgelegt haben, sollten ein genügendes Auskommen besitzen und nicht mehr zur Arbeit gezwungen sein. Darüber kann aber kein Zweifel bestehen, daß am Ende des letzten Jahrhunderts das Arbeiterheer verhältnismäßig viel stärker war, als es heute ist. Denn nach der Zählung von 1880 lebten in den Ver. Staaten 15 527 215 Menschen im Alter von 21 bis 45 Jahren, das Arbeiterheer zählte aber 17 392 099 Menschen; mithin beschäftigten Sie 2 173 184 Leute mehr, als sich in dem Alter befanden, welches wir zum dienstpflichtigen gemacht haben. Dabei wäre denn angenommen, daß alle Leute, welche sich bei uns im dienstpflichtigen Alter befinden, auch wirklich Dienst thun; was aber bekanntlich nicht der Fall ist. Denn die Kranken, die Blödsinnigen, die Krüppel, die Mütter kleiner Kinder und andere verrichten keine Arbeit im Heere. Sie werden hiernach zugestehen müssen, daß Ihre Zeitgenossen eine verhältnismäßig viel größere Arbeiterarmee aufstellten, als wir dies thun.“