„Sie waren so liebenswürdig, mir Ihre Ansichten über die jetzige Gesellschaftsordnung vorzutragen,“ begann ich meine nächste Unterredung mit Herrn Forest; „Sie haben aber auch gelegentlich die Meinung geäußert, daß die Gesellschaft am Schlusse des neunzehnten Jahrhunderts mancherlei Verbesserungen bedurfte. Würden Sie mir wohl jetzt mitteilen, durch welche Maßregeln Sie den Übeln meines Zeitalters entgegen gewirkt hätten?“
Forest lächelte. „Ich halte mich nicht für einen Weltverbesserer, der die Menschheit Und deren Einrichtungen vollkommen machen kann. Vergessen Sie niemals, daß wir alle mit Wasser kochen müssen, d. h. daß alles, was wir unvollkommenen Menschen leisten können, den Stempel menschlicher Unvollkommenheit an sich tragen muß. Wie jeder denkende Mensch habe auch ich meine Ansichten über die gesellschaftlichen Einrichtungen, und wenn Sie diese Ansichten hören wollen, will ich sie Ihnen gern mitteilen.“
„Ich bitte darum.“
„Was viele Leute die sociale Frage nennen, ist unlösbar,“ begann Forest. „Die von der Natur begründete Verschiedenartigkeit wird sich bei den Menschen stets fühlbar machen. Jeder Versuch zur Gleichmacherei muß fehlschlagen. Es wird stets kluge und dumme, fleißige und faule Leute geben. Tüchtige Frauen und Männer werden nie damit zufrieden sein, daß man die Arbeitsergebnisse gleichmäßig verteilt und ihnen dadurch einen Teil der Frucht ihrer Thätigkeit raubt. Werden aber die Arbeitserzeugnisse nach Verdienst verteilt, so werden viele derjenigen, welche weniger erhalten, unzufrieden sein. Deshalb ist es unmöglich, alle Menschen zufrieden zu stellen, gleichviel, wie die Früchte der Arbeit verteilt werden. Aber die Unmöglichkeit, jeden ganz zufrieden und glücklich zu machen, entbindet uns nicht von der Verpflichtung, mit allen Kräften eine Verbesserung unserer Zustände zu erstreben.“
„Ich begreife Ihre Stellung. Aber lassen Sie mich hören, welche Verbesserungen Sie vorgeschlagen haben würden, wenn Sie am Schlusse des letzten Jahrhunderts gelebt hätten.“
„Die Gesellschaft Ihrer Tage krankte vornehmlich an der planlosen Arbeitsweise, an der Monopolwirtschaft, welche die Anhäufung riesiger Reichtümer ermöglichte, und an einem einsichtslosen Arbeiterstande, der sich lieber der Ausbeutung unterwarf, oder die Thätigkeit ganz einstellte, anstatt einfach durch Begründung von Arbeitergenossenschaften nach und nach alle Zweige menschlicher Thätigkeit auf Gegenseitigkeit zum besten der Arbeitenden zu übernehmen. Ein großer Übelstand war auch die Ungerechtigkeit Ihrer Besteuerung.
„Auf fast allen Gebieten menschlicher Thätigkeit wurden Werte erzeugt, ohne daß jemand eine klare Vorstellung von dem wirklichen Verbrauche hatte. Die Landwirtschaft lieferte alljährlich einen großen Überschuß ihrer Erzeugnisse und letztere waren daher meist so billig, daß die Bauern ein ziemlich kümmerliches Leben führen mußten. Viele Fabriken arbeiteten Tag und Nacht, bis der Markt mit ihren Waren überfüllt war. Dann wurden diese zu jedem Preise losgeschlagen, manchmal unter den Herstellungskosten, zahlreiche Bankerotte folgten, die Fabriken wurden geschlossen und die Fabrikanten, wie Ihre Arbeiter, erlitten schwere Verluste durch ihre unfreiwillige Unthätigkeit, bis der Überschuß an Waren aufgebracht war. Dann begann aufs neue eine fieberhafte Thätigkeit.“
„Wie würden Sie diese Übelstände bekämpft haben?“ fragte ich.
„Ein Bundesamt hätte feststellen müssen, wie groß der durchschnittliche Jahresverbrauch der verschiedenen Lebensbedürfnisse war und wie sich die Leistungsfähigkeit der betreffenden Berufszweige zur Erzeugung solcher Waren zum Verbrauch verhielt.“