Zum Reiten werden die Haare geflochten oder gewunden und enganliegend getragen, was den Kopf klein macht. Nichts ist häßlicher als ein dicker Kopf, auf dem Pferde vielleicht noch mehr als anderswo. Man kann auch sämtliche Haare zusammendrehen, sie unter Freimachung des Nackens emporheben und unter den Hut stecken. Bei dieser Manipulation braucht man weder Schildpattnadeln noch -Kamm. Das hält ganz von selbst, den Fall, wo man den Hut verlieren sollte, ausgenommen.
Die Handschuhe seien aus weißem oder gelbem Hirschleder, aber niemals aus Hundeleder. Das ist gemein, unbequem und macht wahre Tatzen. Der Handschuh muß in den Fingern sehr lang, sehr geschmeidig und vornehmlich sehr weich sein, der Hand ebensoviel Spielraum zu lassen, als ob sie unbekleidet wäre.
Die Farbe des Reitkleides ist in Paris schwarz, dunkelblau oder dunkelgrün. Letztere Farbe ist jedoch so dunkel gehalten, daß man sie nur in der Sonne wahrnimmt. Der sehr kurze und durchaus glatte Rock aus schwerem Tuch darf, wenn man aufrecht steht, links nicht über den Sporn herabreichen. Rechts ist er wegen der für das Knie und das Horn erforderlichen Weite viel länger und wird an dieser Seite, wenn man zu Fuß ist, hochgeknöpft. Die durchaus einfarbige glatte Taille endigt hinten in einen kurzen Schoß, die auf den Hüften aufstößt und vorn in einer stumpfen Spitze ausläuft. Der Schoß kann aber auch rund und kurzgeschnitten sein. Hier und dort werden die Taillen auch mit langen und abgerundeten Schößen getragen. Der Paletot zum Reitkostüm ist kurz und in der Art der Herrenpaletots gearbeitet. Schmuckgegenstände, Samtkragen, Schleifen oder Phantasieknöpfe werden niemals getragen.
Damit soll allerdings nicht gesagt sein, daß die deutsche Amazone sich durchaus nach diesen Angaben richten muß, wenn sie auch immerhin einen guten Anhalt gewähren. Aus meinem eigenen kleinen Erfahrungsschatze möchte ich aber noch einige Ergänzungen dazu machen.
Im Winter schützen seidene Strümpfe am besten gegen kalte Füße. Ein leinenes Taschentuch wird in die am Sattel angebrachte Tasche gesteckt. Für den Sommer dürfte ein Reitkleid aus weißer Leinwand nicht auf Widerspruch stoßen, zu dem auch ein weißes Hütchen – jedoch nicht von Strohgeflecht – sehr gut stehen würde. Über die Chaussure ist bereits gesprochen worden, doch sei noch besonders erwähnt, daß Knöpfstiefel absolut auszuschließen sind. Die Form der Taille ist zwar gegeben, doch pflegen junge und schlanke Damen am liebsten und für sie am vorteilhaftesten die anliegende Taille zu wählen, während für stärkere Damen die Jackett- oder blusenartige Form geeigneter erscheint. Bei beiden ist auf denkbar größte Bequemlichkeit zu sehen, vor allem auf genügende Brustweite, tadellos gearbeitetes Rückenstück und zureichenden Halsausschnitt. Die Ärmel müssen so weit sein, daß sie den Armen ohne den geringsten Zwang jede Bewegung gestatten. Ebenso müssen auch die Handschuhe zwei Nummern weiter genommen werden, als man sie gewöhnlich trägt. – Was die Länge des Rockes anbetrifft, so trägt man am praktischsten das Reitkleid so, daß es mit der unteren Kante des Pferdebauches abschneidet, besonders wenn die Reiterin Jagd oder Terrain reitet. Dabei darf der Rock ja nicht faltig sein, sondern eng anliegend, muß jedoch so ausgebreitet werden können, daß das rechte Bein bequem über das Horn gelegt werden kann, ohne daß der Stoff sich zerrt und auf der Kniescheibe drückt. Daß nicht jede beliebige Schneiderin imstande ist, ein derartiges Reitkleid anzufertigen, ist selbstverständlich, hier können nur Spezialisten das Richtige treffen, wenn sie sich auch vielfach ihre Kunst unerfreulich hoch bezahlen lassen. Dennoch scheue man diese Ausgabe nicht; schon manche Dame hat sich aus Billigkeitsrücksichten ihr Reitkostüm anderswo anfertigen lassen und mußte dasselbe nachher als gänzlich unbrauchbar verwerfen. Ein solcher so ausgearbeiteter Rock fliegt niemals; zwei gewöhnliche Tuchbreiten sind für denselben ausreichend. Innerhalb des Rockes dürfen Raffer befestigt sein, damit die Dame, wenn sie abgestiegen ist und sich längere Zeit zu Fuß bewegen will, das Kleid schürzen kann, ohne mit dem Tragen die Hände zu beschweren, was auf die Dauer lästig wird. In England werden auch die sogenannten »Safety habits«, welche eigentlich nur eine Schürze bilden und gar keinen Stoff haben, wo die Hörner sitzen, empfohlen und gebraucht. Adressen für dieselben sind: W. Shingleton, 60 New Bond Street und Messrs. Thomas and Sons, Brookstreet, London.
Schließlich möchte ich es nicht unterlassen, der angehenden Reiterin noch einige Winke in bezug auf ihre Reittoilette zu unterbreiten, welche der berühmte Reitmeister James Fillis in seinem Buche »Principes de Dressage et d'Equitation« anführt.
»Die Reiterin verletzt sich sehr leicht, die geringste Falte in ihren Kleidern veranlaßt eine Hautabschürfung. Bei einem langen Ritt, besonders bei der Jagd, empfiehlt es sich, daß sie kein langes Hemd, sondern ein kurzes Hemdchen von sehr feinem Stoff trägt, welches über den Hüften befestigt ist. Der Kragen und die Manschetten müssen an dem Hemdchen festsitzen – nicht mit Stecknadeln befestigt sein, welche nicht sitzen bleiben, sondern herausfallen und stechen.
Ich rate dringend, keine langen Strümpfe anzuziehen; denn das Strumpfband ist immer ein Hindernis, oft sogar Ursache eines wirklichen Leidens, und kann ausgedehnte und schmerzhafte Verwundungen hervorrufen. Socken sind in jeder Hinsicht vorzuziehen; sie müssen sich vereinigen mit einem enganliegenden Unterbeinkleid aus weichem dehnbaren »Trikot« oder »Jersey« und gefüttert sein mit Seide, oder – noch besser – mit sehr feinem Hirschleder. Das Beinkleid, welches darüber gezogen wird, muß schmale Gummistege haben, damit es keine Falten schlägt. Der kurze Stiefel muß Gummizüge – keine Knöpfe haben, um Verwundungen und Quetschungen auf dem Fußspann zu vermeiden. Ich liebe nicht die hohen Stiefel; sie sind zu hart, können unterhalb des Knies verletzen und verhindern die Reiterin, ihr Pferd mit dem Bein richtig zu fühlen. Das Schnürleibchen (Korsett) muß sehr kurz und niedrig sein. Eine lange Korsettschiene (Schwippe) ist nicht nur unbequem, sondern wirklich gefährlich.
Ich würde glauben, mich entschuldigen zu müssen, weil ich in diese geheimen Einzelheiten der Toilette eindringe, für welche meine Urteilsfähigkeit zweifelhaft erscheinen könnte, wenn es sich nur um eine Frage der Eleganz handelte; aber alles, was die Ausrüstung der Reiterin angeht, betrifft auch ihre Sicherheit und ihr Wohlbefinden zu Pferde.
Ich habe soviele Frauen von einem Spazierritt schmerzerfüllt und leidend zurückkommen sehen, welche infolgedessen verurteilt waren, mehrere Tage auf der Chaiselongue zuzubringen, daß ich doch dahin gelangt bin, allen diesen anscheinend nebensächlichen Dingen eine größere Wichtigkeit beizumessen.