Man spricht von weichem und von hartem Maul, es bedarf dies der Erklärung. Das eine oder das andere hängt vormalerst von der führenden Hand ab, indem in weicher Hand von vornherein fast jedes Pferd weichmäulig, wenn auch in fester Hand nicht jedes Pferd hartmäulig sein wird. Des ferneren ist ein weiches oder ein hartes Maul vom Bau der Zunge und der Laden abhängig. Wenn ein Pferd eine dünne Zunge und sehr scharfe, mit wenig Fleisch bedeckte Laden hat, so wird jeder Druck darauf naturgemäß schärfer wirken, als bei einem Pferde, bei dem eine dickere Zunge den Druck des Zügelanzugs teilweise auffängt und dessen Laden außerdem stumpfer, flacher oder mit mehr Fleisch bedeckt sind oder dessen Lefzen in das Maul hineinragen und die Laden mit bedecken helfen. In die Praxis übertragen, wäre also jedes Pferd, welches geringster Zügelhilfe willig nachgibt, weichmäulig, jedes andere, bei dem man mehr Kraftaufwand braucht, hartmäulig, – ein Umstand, zu welchem auch die Dressur, welche das Pferd empfangen hat, sowie sein mehr oder weniger fehlerhafter Bau wesentlich mit beitragen.
Die Faktoren, welche bei Beschaffung der Zäumung für ein Pferd zur Sprache kommen, sind demnach:
1. die Hand der Reiterin,
2. der Bau des Pferdemaules bezw. seine Sensibilität,
3. der Bau und die Dressur des Pferdes.
Von dem Bau des Pferdemaules kann man sich leicht überzeugen, wenn man dem Pferde das Maul öffnen läßt, die Zunge betrachtet und den Bau der Laden befühlt. Ist die Dame nicht sicher genug, um diese Untersuchung selbst vorzunehmen, so frage sie ihren Instruktor.
Auch pflegen Pferde, welche entweder mit schwacher Hinterhand behaftet sind oder nicht im Gleichgewicht stehen, ihr Gewicht auf die Vorderhand zu verlegen und gleichsam ihren Stützpunkt auf das Gebiß bezw. die Zügelfaust zu nehmen. Daß derartige Pferde hartmäulig erscheinen, liegt auf der Hand.
Was versteht man nun unter scharfer und leichter Zäumung? Die leichteste Zäumung stellt, wie schon angeführt, die Trense dar, weil die Wirkung des Zügels ohne Hilfe eines Hebels direkt auf die Lade geht; da die Trense aber für den Gebrauch der Dame nicht handlich genug ist, weil sie sich mit der linken Hand allein nur unbequem führen läßt, so bedient man sich der Kandare, welche einen beizäumend wirkenden, einarmigen Hebel darstellt. Ein richtig im Halse gestelltes und gezäumtes Pferd pariert auf die Hilfe des Reiters demnach in beigezäumter Stellung, d. h. mit aufgerichtetem Halse, die Stirn annähernd senkrecht zu Boden.
Fig. 9.
Zur Kandarenwirkung.