Im allgemeinen bedarf der Sitz des Sattels des Maßnehmens, damit er weder zu lang noch zu kurz, auch nicht zu breit, jedenfalls aber flach und niedrig sei. Die Länge des Sattels wird sich demnach nach der Länge der Oberschenkel der Dame zu richten haben. Ruht das rechte Bein richtig – nicht allzu fest – an dem oberen Horn, so muß der Sattel so lang sein, daß der After desselben etwa 2½ cm hinter der Dame liegt. Ist das nicht der Fall, ist der Sattel kürzer, so kommt die Dame auf den Sattelkranz zu sitzen, was sie sehr unangenehm empfinden wird. Ist der Sattel zu lang, so leidet dadurch die Sicherheit des Sitzes, ebenso als wenn derselbe zu breit ist. Auch in diesem Falle kann die Dame keinen festen, anschmiegenden Sitz gewinnen, dieser wird im Gegenteil stets unruhig, daher für das Pferd sehr belästigend sein. Es soll allerdings nicht unerwähnt bleiben, daß viele gute und erfahrene Reiterinnen den modernen flachen Sitz nicht lieben, sondern einen leicht geschrägten vorziehen, weil sie sich behaglicher darauf fühlen. Das muß den Damen überlassen bleiben, jedenfalls wird es immer unangenehm sein, eine alte, liebgewordene Gewohnheit plötzlich aufgeben zu sollen, ohne daß ein triftiger Grund dafür vorhanden ist.

Fig. 28.
Damenpferd unter modernem Damensattel.

Der Sattel soll möglichst wenig gepolstert sein, damit die Reiterin das Pferd besser umfaßt und weniger Gefahr läuft, hin und her zu rücken oder aus dem Sitz zu kommen, hauptsächlich aber, daß sie dem Pferderücken möglichst nahe sitzt, d. h. nicht zu hoch über demselben. Die Trachten müssen in bezug auf die Polsterung recht oft inspiziert werden, um beim Nachlassen derselben nicht Druckflecke zu erzeugen. Am praktischsten wird es sein, die Polsterung mit Leder überziehen zu lassen und ohne Unterlegedecke zu reiten. Zweifellos liegt der Damensattel ohne Unterlegedecke viel besser und fester dem Pferderücken an, als mit einer solchen, daher wird auch ein Verrutschen des Sattels nicht so leicht eintreten. Des Ferneren macht die Unterlegedecke – es kann doch nur von einer solchen von Filz die Rede sein, da eine ganz dünne leicht Falten werfen und dann erst recht drücken würde – den an und für sich schon hohen Sitz der Dame noch höher, und es kommt doch, wie schon angeführt, darauf an, den Sitz möglichst nahe dem Pferderücken zu haben.

Unter Umständen könnte – besonders bei alten, nicht gut passenden Damensätteln –, eine Unterlage als nützlich in Betracht kommen, nämlich die Schwammdecke, welche allerdings größerer Haltbarkeit wegen und zur Schonung der Polsterung des Sattels auf der oberen Seite mit einem leichten Lederüberzug versehen sein muß. Trotz allen guten Willens wird bei vielen Reiterinnen der nicht symmetrische Sitz zur Mittelachse des Pferdes und die daraus entstehende ungleiche Gewichtsverteilung bei ev. noch dazu kommender vorwärts geneigter Haltung die Gefahr eines Widerristdruckes ziemlich nahe rücken, besonders in der heißen Jahreszeit und bei längeren Ritten. Hier dürfte die angefeuchtete Schwammdecke sich doch vielleicht als eine große Wohltat erweisen. Man bedenke nur die schweren Widerristschäden, welche unter Damensätteln besonders am Widerrist der Pferde entstehen, die nachweislich dann bis zu eines Jahres Länge zu ihrer Verheilung bedürfen. Wenn man die furchtbaren Eiterungen, die große operative Eingriffe und Einlage von Kanülen notwendig machen, gesehen hat, so kann man sich mitunter nicht genug über den Langmut der Pferde wundern, daß sie nicht bei solchen Qualen die peinigende Last der Reiterin mit einem radikalen Bocksatze in den Sand schleudern. –

Über das zulässige Gewicht des Damensattels ist viel gesprochen worden, doch dürfte sich dasselbe nicht unter 8½-9 Kilo herunterdrücken lassen. Immerhin – je leichter der Sattel, um so besser!

Leider ist es, wieder der ungleichen Gewichtsverteilung wegen, nötig, den Damensattel fester gurten zu müssen, als dies beim Herrensattel der Fall ist. Der leidigen Angewohnheit der Stalldiener, den Damensattel meist zu weit nach vorn aufzulegen, wäre energisch entgegenzutreten. Nach alledem kann man ersehen, wie notwendig es ist, daß das Damenpferd einen nicht mageren, aber hohen Widerrist und einen schlanken Rippenbau, also eine vorzügliche Sattellage besitzt. Ist das Gegenteil der Fall, der Widerrist gering und der Bauch stark gewölbt, so wird der Sattel stets nach vorn rutschen und damit locker werden. Er wird dann das Pferd drücken ev. mit der Reiterin herumrutschen. Dem Gegenteil, dem Zurückrutschen des Sattels, welches bei rundleibigen, flach gerippten Pferden vorkommt und fast unangenehmer wie das Vorrutschen ist, kann man am besten durch Anlegung eines Vorderzeuges begegnen, welches nebenbei auch, aus weißer Bandgurte angefertigt, das Pferd hübsch dekoriert. –

Demnächst hätten wir uns mit der Anbringung des Bügels und mit der Form desselben zu beschäftigen. Darüber läßt sich Herr B. A. D., ein bekannter, tüchtiger Fachmann in einer Fachzeitschrift folgendermaßen aus:

»Da das Damenreiten, besonders das Jagdreiten, in England eine ganz andere Rolle spielt als hier, so ist es begreiflich, daß dort die Konstruktion der Damensättel auf einer ganz anderen Stufe steht. Gewiß sind die hiesigen Sättel vom besten Leder und oft mit den schönsten Stickereien (ganze Eichenwaldungen) verziert, aber unpraktisch im Gebrauch, weil man hier noch zu wenig kennt, worauf es wirklich ankommt. Ist es doch z. B. nicht zu glauben, daß heute noch Damensättel gebaut und – empfohlen werden, deren Bügelriemen um das ganze Pferd herumlaufen und auf der rechten Seite befestigt werden! Etwas Sinnloseres gibt es überhaupt nicht. Wollte man etwas erfinden, was möglichst drückt, so könnte man es nicht besser machen als durch diesen Flaschenzug. Man bildet sich allgemein ein (vergl. Fig. 29), der bei a über eine Rolle laufende Bügelriemen zöge auch bei c nach abwärts. Da liegt der große Irrtum. Die Nachteile dieses Umlaufbügels sind:

1. Der durch den Flaschenzug hervorgebrachte ungeheure Druck auf die rechte Seite des Widerristes.